Die verfügbare Herrin

SL ist pervers. Das ist nun nichts Neues, werden viele sagen, das wussten wir schon immer.

Aber „pervers“ ist hier tatsächlich im Wortsinn gemeint und sagt aus: Etwas läuft in die falsche Richtung, ganz gewaltig sogar. Es geht mir heute um die verfügbare Herrin.

Die Formulierung wird Irritationen auslösen, beschreibt aber einen in SL völlig alltäglichen und nicht hinterfragten Umstand, der mich immer mehr stört, je öfter ich ihn erlebe.

Der normale Modus des Zusammenkommens von Herrin und Sklave (die nicht fest zusammen sind und sich allenfalls flüchtig kennen – nur um diese Konstellation geht es) jenseits der Gruppen und öffentlichen Treffpunkte besteht nämlich bedauerlicherweise darin, dass der Sklave, sobald er eine LM zur SIM der Herrin besitzt (welche sie ihm gar nicht gegeben haben muss, manchmal bekommt man sie über das Profil oder eine Gruppe) bei der Dame zuhause aufploppt und erwartet, dass sie dort verfügbar ist.

Hat die Herrin ein privates Zuhause mit Orb, wird er damit keinen Erfolg haben.

Führt die Dame aber eine öffentliche oder halböffentliche SIM, so tut sie gut daran, dort nicht gleichzeitig auch zu wohnen, denn sonst wird sie kaum noch Ruhe finden in ihrem trauten Heim.

Hier läuft doch etwas ganz gewaltig schief im Verhältnis zwischen Herrin und Sklave, denn warum entscheidet der Sklave, wann er auftauchen möchte und „Lust hat“? Mir ist aufgefallen, dass ich von keinem der Möchtegern-Jungs, die mich regelmäßig auf Viata heimsuchen, deren Home-LM habe. Warum eigentlich nicht? Bei einigen subs ist sicherlich die Geiz-ist-geil-Einstellung der Hintergrund, und dass sie sich darum kein Zuhause leisten, bei sehr vielen anderen wird aber die Meinung vorherrschen, dass ihr Land/ ihre Parzelle/ ihre SIM ihr Privatbereich ist, wo sie ungestört sein möchten. Keiner mag, während er baut, am Ava bastelt, mit Kleidung herumexperimentiert oder Besuch hat, aufploppende Herrinnen vor der Nase haben. Und Lust hat sub schließlich auch nicht immer – da ist es für ihn viel praktischer, wenn die Macht darüber, wann und wo der Kontakt stattfindet, beim Sklaven liegt. ^^
Warum gilt das eigentlich umgekehrt nicht?

Ich werde regelmäßig bemault, warum ich so selten auf Viata anzutreffen sei.

Nun, ich wohne nicht da, zum Glück.

Als ich das kürzlich einem Möchtegern-Sklaven erklärte, der mich fragte, warum ich zwar online sei, aber nicht auf meiner SIM bin, wurde er fast sauer. Das sei ja quasi Verarsche, dass ich nicht da wohne – da KÖNNTE man mich ja gar nicht antreffen! Er sei fest davon ausgegangen, dass ich dort sei, wenn ich online bin!

– Und wieder jemand, der erwartet, dass ich verfügbar bin.

Ich werde gefragt, warum ich überhaupt eine SIM bezahle, wenn ich nicht dort wohne. Nun, das sollte man mal meine Sorge sein lassen, wofür ich meine SIM verwende.

Ich werde gefragt, wo denn dann mein privates Zuhause sei. Man hätte gerne die LM, damit man dann da nachschauen kann, wenn ich nicht auf Viata bin. Netter Versuch.  ^^

Kam ich früher online, sprangen sofort bis zu zehn Chatfenster auf. Typen, die offenbar nur darauf gelauert hatten, dass eine Herrin online kommt, und deren Freundschaftsanfragen ich damals, naiv wie ich war, nach einem kurzen ersten Gespräch positiv beantwortet hatte. Die Jungs verhielten sich, als hätte ich damit einen Vertrag unterzeichnet oder ein Versprechen gemacht, und sie hätten nun ein Anrecht auf mich, kaum dass ich online kam. Ich nannte sie recht schnell „Habicht-Sklaven“. Habicht-Sklaven sind das Gegenstück zur Zecken-Kajira (das ist auch so ein Herzchen, das man nicht mehr loskriegt ;-)). Als ich anfing, deswegen meinen Online-Status zu verbergen, erntete ich wütende Reaktionen. Inzwischen habe ich meine Freundesliste gesäubert. 🙂

Für manche Leute scheint es schwer nachvollziehbar zu sein, dass ich in SL auch noch etwas anderes zu tun habe. Und dass ich mich keineswegs nur durch meinen Status als Femdom dazu verpflichtet habe, als oberste Priorität vor meinem eigenen Spielspaß und meinen eigenen Projekten alle devoten Jungs glücklich zu machen.

Halte ich mich alleine auf meiner SIM auf, ist für aufploppende Sklaven immer sofort klar, dass ich nur auf sie gewartet habe. Denn da ist ja keiner, und ich habe in ihren Augen eh nichts zu tun (außer sie jetzt sofort und gleich zu dominieren natürlich ^^). Dass ich gerade baue, ein RP vorbereite, mit jemand anderem spreche – alles unwichtig. Wichtig ist allein der notgeile sub, der die verfügbare Herrin alleine auf ihrer SIM erwischt hat *ironie off*

Bin ich sichtbar mit jemand anderem zugange, sind die meisten immerhin höflich und lassen einen in Ruhe. Die unhöflichen platzen mitten hinein und wollen zuschauen oder eingebunden werden oder labern einen mit unwichtigen Fragen voll und stören das RP. Die ganz unhöflichen gehen sogar so weit, zu verlangen, dass das RP mit dem anderen abgebrochen wird und man sich sofort ihnen widmet. Das habe ich allerdings zum Glück nur einmal erlebt. ^^

Woher kommt diese Erwartungshaltung?

Sicher, im RL kennt man die Adresse des örtlichen Domina-Studios, das ist allerdings ein kommerzielles Unternehmen und damit etwas völlig anderes als eine private dominante Dame ohne finanzielle Interessen.  Vermutlich steckt hinter den Ansprüchen auf die verfügbare Herrin die im Internet weit verbreitete irrige Meinung, dass alles, was im Katalog zu sehen ist, auch zu haben ist. Sprich, wenn man einige LMs von Herrinnen gesammelt hat, surft man diese halt ab, sobald man Lust hat, und erwartet, dass man irgendeine alleine erwischt und die dann in Aktion mit einem geht.

Insgesamt halte ich diese Haltung aber für völlig verkehrt, und sie macht jeden Einzelnen dieser Möchtegernsklaven für mich unattraktiv.

Denn eigentlich – müsste es genau umgekehrt sein.

Und Achtung – jetzt beginnt das Kribbeln *g*.

Anderer Higu_009

Ich stelle mir vor, ich bekomme statt der üblichen dämlichen Anfragen „Greetings Miss!“ oder „Hi, wie geht’s?“ einfach eine diskrete NC zugeschoben. Ohne dass nachgehakt wird oder eine Antwort erwartet wird. Darin befindet sich eine LM und ein paar Daten zum Sklaven – was mit ihm möglich ist, was nicht – und die Ansage, dass er abholbereit ist für die dominante Dame, die Interesse hat. Immer vorausgesetzt, er ist da und es ist nicht schon eine andere bei ihm. Sonst aber immer und gerne, wenn er zuhause ist.

Die LM führt in sein Zuhause. Das muss gar nichts großes sein, eine kleine Skybox oder eine Mini-Parzelle reicht. Ein paar wenige BDSM-Möbel, falls man ihn gleich vor Ort kennenlernen möchte. Und ansonsten – kann man ihn mitnehmen, zu sich nach Hause, zu einer Shopping-Tour, als Begleiter für ein Adult-RP auf einer RP-SIM. Eben alles, was laut NC des Sklaven nicht zu den Limits gehört, und worauf aber die Herrin, die jetzt die Auswählende ist, Lust hat. Denn jetzt ist nicht mehr die Herrin verfügbar, sondern der Sklave – und alles ist genau so,  wie es sein muss.

Himmel, wäre das reizvoll. 🙂

Aber da die „Herren“ Möchtegern-Sklaven es eh nicht raffen werden, wird es bei der reizvollen Vorstellung bleiben. Träumen ist erlaubt. 🙂

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2 Gedanken zu „Die verfügbare Herrin

  1. Bei dem Ausdruck „Zecken-Kajira“ musste ich eben echt lachen! Gleichzeitig aber finde ich es echt traurig das die virtuelle „Realität“ tatsächlich so aussieht, mich lässt das nur noch mit dem Kopf schütteln.

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