Die Dämoneninsel

Logbuch der CAPPADOCIA, Tag 1, Kapitän Sinclair

Wir sind heute bei gutem Wetter und ruhiger See ausgelaufen. Unsere jetzige Reiseroute fahren wir zum ersten Mal, es geht durch eher einsames Seegebiet, das nur von wenigen unbewohnten Inseln unterbrochen wird. Neben der Mannschaft sind auch zwei Passagiere an Bord, die die Überfahrt dem Flug vorziehen.

 

Logbuch der CAPPADOCIA, Tag 2, Kapitän Sinclair

Ein Sturm zieht auf. Mannschaft und Passagiere sind unruhig, denn eigentlich war der Wetterbericht für die komplette Überfahrt gut. Auch mich wundert der schnelle Wetterwechsel, allerdings ist man auf See vor plötzlichen Stürmen nie gefeit.

 

Logbuch der CAPPADOCIA, Tag 3, Kapitän Sinclair

Das Pech verfolgt uns… im gestrigen Sturm haben wir die Orientierung verloren, und dann sind zeitgleich alle Geräte ausgefallen. Es war in den frühen Morgenstunden, als wir auf einer Sandbank vor dieser Insel aufgelaufen sind, die in keiner Karte verzeichnet ist. Wir wissen nicht, wie die Insel heißt und wo wir sind. Meine Hoffnung auf die Flut wird vom Steuermann nicht geteilt. Er sagt, er hat Zweifel, dass wir den Frachter wieder flott bekommen, auch der steigende Wasserstand würde da nichts helfen.

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Logbuch der CAPPADOCIA, Tag 4, Kapitän Sinclair

Wir müssen uns darauf einrichten, dass wir hier länger bleiben müssen und dass mit einer schnellen Rettung nicht zu rechnen ist. Der Frachter liegt wie festgeschmiedet unbeweglich in der Sandbank. Sämtliche Geräte funktionieren nicht, wir erhalten keinerlei Funkkontakt, auch über Satellit ist keine Verbindung möglich.

Wir haben heute die Insel erforscht, es gibt gutes und schlechtes dazu zu berichten. Die Insel scheint ursprünglich bewohnt gewesen zu sein, es sind Ruinen einer Oasenstadt zu erkennen, unterirdisch gibt es sogar Reste einer Wasserleitung. Jetzt liegt alles unter meterhohem Sand. Die Insel ist lebensfeindlich, nur Dünen, vertrocknetes Gesträuch und abgestorbene Bäume. Allerdings haben wir Glück: In der Mitte der Insel befindet sich ein Süßwassersee. Dieser erhöht unsere Chancen, durchzuhalten, bis wir gerettet werden, erheblich. Das viele trockene Holz liefert Brennmaterial. Da unsere Vorratskammern gut gefüllt sind, werden wir mit dieser Ausstattung für’s erste nicht verhungern.

Dennoch ist die Insel unheimlich. Über allem hängt ein dichter gelber Nebel, bis auf ein paar rabenartige Vögel ist kein lebendes Wesen zu entdecken. Das einzig intakte Gebäude der Insel ist ein seltsames riesiges Schloss, das ganz am hinteren Strand zurückgesetzt steht. Erstaunlicherweise wurde dieses nicht zerstört, es kann aber sein, dass das Schloss erst erbaut wurde, nachdem die Stadt zerstört war. Unheimlich ist, dass in den Türmen des Schlosses und in den obersten Stockwerken ewige Feuer brennen. Wovon werden diese Feuer genährt, wer hält sie in Gang? Das Schloss hat keinerlei Fenster oder eine Möglichkeit, hineinzukommen oder auch nur hineinzuschauen. Das Haupttor ist fest verschlossen, auf unser Rufen und Klopfen hat sich niemand gemeldet. Es scheint verlassen und dennoch bewohnt. Mir ist die Lage nicht geheuer.

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Logbuch der CAPPADOCIA, Tag 5, Kapitän Sinclair

Der Schiffsjunge kam heute ganz aufgeregt vom Wasserholen zurück und berichtete, das Schloss sei tatsächlich bewohnt. Als er an dem Gebäude vorbeiging, hätte sich auf einmal das Haupttor geöffnet und eine nette junge Magd hätte ihn zu sich gerufen. Das Mädchen hat ihn dann ins Schloss geführt und ihn der Hausherrin vorgestellt. Diese sei eine freundliche ältere Dame, die das Schloss zusammen mit einigen Freunden, Gästen und ihrem Personal bewohnt. Nur zweimal im Jahr käme ein Versorgungsschiff vorbei, um die Vorräte aufzufüllen, hätte die Dame bedauernd geäußert, und es sei eben erst vor wenigen Tagen hier gewesen. Es würde also dauern, bis wir die Insel verlassen könnten, vor allem auch deshalb, weil das Eiland fernab jeglicher Schifffahrtsrouten läge und wir wohl weit abgetrieben worden sind. Sie hätte dann angeboten, dass wir ins Schloss ziehen könnten, da unser Frachter auf der Sandbank zunehmend Schlagseite bekommen und irgendwann absinken würde. Es sei nicht sicher, wenn wir weiterhin in dem Wrack verbleiben würden.

Der Steuermann und ich machten uns sofort auf den Weg zum Schloss, dort jedoch wieder dasselbe Spiel: Auf unser Rufen und Klopfen hin öffnete niemand, das Schloss schien gänzlich unbewohnt und verlassen, bis auf die Feuer, die höhnisch auf uns herablachten.

Da der Schiffsjunge etwa eine Stunde nach seiner Rückkehr hohes Fieber bekam, wissen wir auch nicht, inwieweit wir seinen Worten Glauben schenken können und inwieweit er nicht vielleicht schon krank war und halluziniert hat, als er uns sein angebliches Erlebnis im Schloss berichtete.

 

Logbuch der CAPPADOCIA, Tag 6, Kapitän Sinclair

Heute morgen stellten wir fest, dass der Schiffsjunge verschwunden ist. Eigentlich ist es nicht möglich, da er zu hoch gefiebert hat und kaum noch in der Lage war, sich zu bewegen. Auch haben wir abwechselnd Wache bei ihm gehalten, konnten aber nicht verhindern, dass wir hin und wieder eingenickt sind. In einer dieser Schlafpausen muss es passiert sein. Wir haben die komplette Insel nach ihm abgesucht und alles durchkämmt. Nichts. Ich mache mir große Sorgen und große Vorwürfe, immerhin hatte ich die Verantwortung für den Jungen. Was, wenn er ertrunken ist, weil er im Fieber den Weg verfehlt hat? – Immer wieder versuchen wir, eine Funkverbindung zu der Welt da draußen zu erhalten, immer wieder scheitern wir. Die Stimmung unter den Leuten ist schlecht und gereizt, ich habe ein düsteres Gefühl, wenn ich an die nächsten Tage denke.

 

Logbuch der CAPPADOCIA, Tag 7, Kapitän Sinclair

Einer der Matrosen ist vom Wasserholen nicht zurückgekehrt. Keiner weiß, wo er ist. Wir haben erneut jeden Stein auf dieser verfluchten Insel umgedreht und keine Spur von unserem vermissten Mann gefunden. Die Insel scheint mir inzwischen verhext, wir wollen alle nur noch weg hier. Wir haben überlegt, ob wir in einem der Rettungsboote einen Fluchtversuch wagen wollen, aber die Boote sind keineswegs für lange Überfahrten auf hoher See gemacht. Ohne funktionierendes Gerät wäre das ein Selbstmordkommando.

Leider kann ich die Leute nicht im Wrack unseres Frachters einsperren, wir brauchen täglich frisches Wasser. Wir haben aber die Regel aufgestellt, dass keiner mehr alleine die Insel betreten darf. Hier geht etwas um, das gefährlich ist. Irgendetwas stimmt hier nicht.

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Logbuch der CAPPADOCIA, Tag 8, Kapitän Sinclair

Heute ist es wieder passiert, diesmal direkt vor meiner Nase, und ich kann noch nicht einmal so genau sagen, wie es passiert ist. Ich war mit Mrs. Miller, einer unserer Passagierinnen, am See, um die Wasserkanister zu füllen. Der Nebel, der ständig über der Insel liegt, verdichtete sich plötzlich. Mrs. Miller war nur wenige Schritte neben mir, trotzdem konnte man plötzlich die Hand nicht mehr vor den Augen sehen, und ich konnte nicht schnell genug reagieren. Ohne jede Vorwarnung hörte ich plötzlich Mrs. Miller schreien, und dann – war sie weg. Sie war tatsächlich plötzlich einfach weg! Keine Spur mehr von ihr, auf der ganzen Insel nicht. Ich mache mir solche Vorwürfe. Ich weiß nicht mehr, was wir noch tun können. Wir werden dezimiert, es scheint ein System dahinter zu stecken, das alles kann kein Zufall mehr sein.

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Logbuch der CAPPADOCIA, Tag 9 Kapitän Sinclair

Von unserer Besatzung sind nur noch der Steuermann, ich und ein Matrose übrig. Alle anderen sind im Lauf der letzten Tage verschwunden. Da unser Schiff tatsächlich vor zwei Tagen auf die Seite gekippt ist und langsam im Schlick immer tiefer sinkt, konnten wir dort nicht bleiben. Wir haben, was wir tragen konnten, in die verlassene Wasserleitung geschleppt, die uns als der sicherste Ort auf dieser von Gott verfluchten Insel scheint. Hier versuchen wir zu überleben. Ich bete, mehr kann ich nicht mehr tun.

 

Logbuch der CAPPADOCIA, Tag 10, Kapitän Sinclair

Wer auch immer diese Zeilen liest. Verschwinden Sie so schnell wie möglich von diesem Ort, retten Sie sich, solange sie noch können. Ich bin der letzte hier. Sie werden mich holen. Ich höre sie nicht, ich sehe sie nicht, aber ich fühle sie kommen. Ich werde mein Leben so teuer wie möglich verkaufen… sie sind da…

 

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„Die Dämoneninsel“ ist ein in sich abgeschlossenes RP von 1 – 3 Abenden Länge. Genre: Dämonen vs. Menschen, Horror, BDSM.

Vorbereitungstreffen am 15.08.2016 um 21:00 Uhr auf VIATA INDURI

You’re welcome… ^^

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