Tanzend auf den Straßen von Phenix

Ich erwache nach einem viel zu kurzen Mittagsschlaf wie gerädert und muss mich erinnern, wo ich überhaupt bin. Im Motel in Phenix, richtig! Weit entfernt von zu Hause, auf der Suche nach Gerechtigkeit für meine Mädchen. Endlich meine beiden Schwiegersöhne wider Willen festsetzen und sie notfalls mit dem Schirm vor mir nach Hause zurücktreiben!

Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich mich beeilen sollte. Heute abend werden hoffentlich die Herren Raphael und Severus wieder in der Bar sein, so dass ich die Möglichkeit habe, meine Mission in dieser Stadt erfolgreich zu Ende zu bringen. Heute muss es klappen!

In der Bar jedoch erwartet mich noch keiner. Nur zwei Mädchen stehen hinter der Theke, und eine spricht mich an und fragt nach meinen Wünschen.

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Ich komme nicht umhin, sie näher zu mustern – sie ist jung und bildschön, in ihren Augen scheint der Mond zu schimmern.

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Aber sie hat eine tiefe Traurigkeit in sich, wirkt wie verloren in dieser Stadt. Ich frage mich wirklich, ob dieses Mädchen niemanden hat, der sich um sie kümmert. Wo verflixt nochmal sind die Eltern, die Erziehungsberechtigten? Und warum unternehmen die Lehrer nichts? Warum steht ein Mädchen in ihrem Alter in einer Bar in einem heruntergekommenen Stadtviertel?

Es wird wirklich Zeit, dass ich meinen Plan abschließen kann und hier wegkomme. Je länger ich in Phenix bin, umso mehr sehe ich, was mich aufregt.

Das Mädchen bestätigt mir immerhin, dass Mister Miguel im Wohnwagen hinter der Stadt lebt, genaueres weiß sie aber auch nicht über ihn. Mister Lamenius sei häufiger in der Bibliothek anzutreffen und besitze ebenfalls ein Haus hinter der Stadt. Ehe sie mir noch mehr erzählen kann, stoßen die Herren Raphael und Severus zu uns.

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Ich begrüße beide mit Freude, muss jedoch feststellen, dass Mister Raphael kein bisschen freundlich mit der Kleinen von der Theke umgeht, sondern ihr eher Angst einjagt.

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Du lieber Himmel! Was für verrohte Sitten sind das nur heutzutage!

Die beiden Herren scheinen zuvor etwas miteinander unternommen zu haben, denn sie wirken beide noch immer recht aufgekratzt.

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Im Halbdunkel der Bar und ohne Brille kann ich schlecht erkennen, was es wohl gewesen sein mag.

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Mir fällt aber auf, dass Mister Raphael ein interessantes hautfarbenes T-Shirt mit schrägen Streifen im Metallic-Look trägt und Mister Severus der einzige Mann in dieser Stadt ist, der eine schöne und angemessene natürliche Haarfarbe trägt. Mister Raphaels Haare hingegen sind – dunkellila? Und er trägt rote Kontaktlinsen?– Sei’s drum!

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Immerhin sind das mal zwei junge Herren, die keine Blümchen oder Smilies oder Osterhasen auf ihrer Kleidung tragen, alles andere ist mir schon fast egal!

Ich beschließe, zum Frontalangriff überzugehen. Es hat keinen Sinn, länger zu warten.

„Reden wir offen, meine Herren – wieviel würde es mich kosten, Ihnen – also der Stadt – die Herren Miguel und Lamenius abzukaufen? Nennen Sie mir die Summe.“

Nun habe ich sie schockiert, das merke ich. Aber meine Erfahrung ist: Jeder ist käuflich. Es kommt nur auf die Summe an. Und so ist es letztlich auch Mister Raphael, selbst wenn sein Preis etwas anders ausfällt, als ich erwartet habe.

Ehe ich mich versehen habe, kommt er plötzlich auf mich zu und – geht auf die Knie.

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Hoppla. Nun überrascht er mich. Vor ein paar Tagen wollte er mich doch noch in seinen Keller verschleppen? Und nun so ein Sinneswandel? Dennoch… gute Erziehung fand ich schon immer bestechend, und einem wahren Gentleman konnte ich noch nie widerstehen. Er scheint ein Mann von hoher Geburt zu sein, dieser Mister Raphael, treu und ritterlich aus ehrlicher Gesinnung.

Mit halbem Ohr höre ich noch, dass er etwas von einem Gefallen erzählt, den er jetzt mir tut, indem er mir die beiden Gesuchten ausliefert, und den ich ihm anschließend schulde. Was meint er damit? Er wird sich mir doch nicht etwa – unzüchtig nähern wollen?
Nein, ganz sicherlich nicht! Ein wahrer Gentleman tut so etwas nicht. Ihm genügt als Gegenleistung ein bezauberndes Lächeln oder eine Rose, gezogen und gepflückt von der Hand einer echten Lady.

Und so reiche ich ihm meine Hand, durch die ein Prickeln fährt und die seltsam zu brennen anfängt. Mister Raphael scheint es auch zu spüren, denn er bleibt auf den Knien, lächelt und schließt die Augen.

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In der Bar scheint die Luft zu flirren, und etwas Besonderes passiert wohl in diesem Moment.

Irgendjemand weiter weg von mir zischt: „Ach du Scheiße, jetzt will der auch noch die Fregatte heiraten.“ *tz* Was soll denn das schon wieder heißen! Zum einen ist das hier kein Heiratsantrag, das ist einfach gutes Benehmen der ganz alten Schule. Zum zweiten, und selbst wenn es einer wäre, es gibt sehr wohl junge Männer, die den Charme und die Lebenserfahrung einer MILF zu schätzen wissen!

Ein anderer eben hereinkommender Herr mit wallendem Rauschebart, den ich spontan mit dem Weihnachtsmann assoziiere, ist höflicher.  „Ist das eine Verlobung?“ fragt er erfreut. Ich lächele den Weihnachtsmann an, ignoriere den Zischer und nicke Mister Raphael zu: „Ich danke Ihnen. Bitte führen Sie mich zu den beiden.“

Mister Severus kann derweil den Blick nicht von Mister Raphael wenden, und auch alle anderen starren hypnotisiert auf ihn. Könnte die Zeit still stehen, würde sie es jetzt sicherlich tun.

Zum Glück sind alle so mit Starren auf Mister Raphael beschäftigt und der Angestarrte wiederum mit Knien und still in sich Hineinlächeln, dass ich aktiv werden kann. Immerhin habe ich noch eine unerstarrte Hand frei, und direkt hinter mir steht das Mädchen mit den Augen des Mondes.

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Ich werde nicht gehen, ohne nicht zumindest das für sie getan zu haben, was ich tun kann. Ich nutze den Moment, wende mich zu ihr und lege zwei Finger unter ihr Kinn, um ihr in die Augen zu sehen: „Mein liebes Kind, ich denke, Sie haben es nicht verdient, für immer in dieser Stadt zu versauern. Bitte überlegen Sie sich, ob Sie nicht noch Ihren Schulabschluss machen wollen. Das Nymphvale-College ist wie geschaffen für junge Damen wie Sie.“ Diskret und unbemerkt von allen anderen schiebe ich ihr eine Visitenkarte mit der Adresse und dem Wappen des College zu – Vorsicht, Mister Raphael! Wenn Sie tatsächlich etwas Unanständiges von mir verlangen oder weiterhin das arme Mädchen so verängstigen, können Sie demnächst selbst hinter der Bar im Dragon’s Cave bedienen, dann ist die Kleine hier nämlich weg! –  dann folge ich den beiden Herren hinaus in die Nacht.

Mister Raphael bietet mir ritterlich seinen Arm, Mister Severus flankiert mich auf der anderen Seite, und auf einmal fühle ich mich sicher und beschützt und weiß, dass alles gut werden wird.

Hinter mir verschwindet das Dragon’s Cave im Nebel, vor mir ist nur die leere Straße. Ich wende mich an meine beiden Begleiter und frage: „Sie wollten mich zu einer Bibliothek führen? Sagen Sie, ist in der Nähe vielleicht auch ein Frisiersalon? Ich habe nur eine Hundezucht entdeckt, einen neuen Wachhund brauche ich demnächst auch noch… aber zuerst sollte ich wissen, wo hier der Friseur ist. Mister Lamenius und Mister Miguel brauchen dringend eine vernünftige Frisur, in ihrem jetzigen Zustand kann ich sie meinen Mädchen nicht präsentieren!“

Mister Raphael weiß zum Glück, wo einer ist, und ich notiere mir im Hinterkopf: Neue Frisur, anständiger Haarschnitt, ordentliche Haarfarbe, generelles Umstyling bezüglich Kleidung, Schuhwerk, Accessoires. Für beide. Und: Piercings raus!

Plötzlich bleiben meine Begleiter vor einem Laden mit vergitterter Türe stehen und bedeuten mir, dass ich hier hineingehen soll. Hier hinein, alleine?!? Ja, meint Mister Raphael, er selbst habe einmal eine kleine Meinungsverschiedenheit mit dem Besitzer gehabt und könne darum den Laden schlecht betreten. Das verstehe ich natürlich. Nach kurzem Zögern und tiefem Luftholen gehe ich also alleine auf die Türe zu, öffne sie und – stehe direkt im Rücken von Mister Miguel und Mister Lamenius, meinen beiden Zielobjekten!

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Ha! Habe ich euch erwischt! Schwiegermutter im Anflug auf 6:00 Uhr, an die Geschütze!

Zum Glück sind die beiden viel zu beschäftigt, mit der Maus an der Theke eine Verkaufsverhandlung zu führen, um mich rechtzeitig zu entdecken. Ich erhebe also Schirm und Stimme und wettere los: „Mister Lamenius! Mister Miguel Sie dachten wohl, Sie könnten sich einfach so aus dem Staube machen, nachdem Sie meine Mädchen verführt haben, aber da haben Sie sich getäuscht!“

Wenn ich gedacht hätte, die beiden würden ihr unanständiges Verhalten eingestehen oder doch zumindest etwas Reue oder Einsicht zeigen, so habe ich mich getäuscht. In ihrer grenzenlosen Unverfrorenheit – ignorieren sie mich und tun so, als ob sie mich gar nicht kennen! Sie führen einfach ihr Verkaufsgespräch mit dem Fräulein an der Theke weiter!

Mir platzt der Kragen.

„Mister Miguel! Sie brauchen nicht so zu tun, als erkennen Sie mich nicht mehr! Sie waren Austauschschüler bei uns und haben sich unsittlich der kleinen Miyu genähert! Und Sie, Mister Lamenius, es hilft Ihnen gleich mal gar nichts, so zu tun, als wären Sie gar nicht da. Sie können sich noch so sehr anstrengen, Sie sind nicht unsichtbar. Was haben Sie mit meiner kleinen Lily gemacht? Sie haben sie verführt und ihr die Unschuld geraubt! Schauen Sie mich gefälligst an, wenn ich mit Ihnen rede!“

Ich fange an, wild mit den Schirm herumzufuchteln: „Und glauben Sie nur ja nicht, dass Sie der Sache entgehen können, indem Sie mich ignorieren! Der nette Mister Raphael hat mir verraten wo der Frisiersalon ist, da gehen wir jetzt hin, Sie bekommen alle beide einen anständigen Haarschnitt und ein Umstyling, und dann wird geheiratet – keine Widerrede!“

Ich habe mich in Rage geredet, muss aber leider unterbrechen, weil mein Handy klingelt. Eine kleine Gnadenfrist für die beiden Delinquenten! Auf dem Display blitzt die Nummer von Miyu auf. Ich gehe ran.

Doch was jetzt passiert, zieht mir den Boden unter den Füßen weg. Mein Miyuchen schimpft mit mir! Die Mädchen haben durch den Flurfunk im College erfahren, dass ich nach Phenix gereist bin, um ihnen Ehemänner zu besorgen. Und statt sich zu freuen, sind sie hellauf entsetzt! Meine kleine Lily schreit im Hintergrund die ganze Zeit „Nein, nein, nein, den nehm ich nicht, ich will den nicht heiraten!“, und Miyu erklärt mir doch tatsächlich, wie daneben sie meine Aktion findet. Sie will „den anderen“ auch nicht! „Den“ und „den anderen“, was soll das denn bitteschön heißen? Also sooo schlecht sind die jungen Herren doch auch wieder nicht, immerhin stammen sie aus guter Familie, sind recht gebildet, natürlich aktuell leider in schlechte Gesellschaft geraten und sehr stark in die „Szene“ dieser Stadt abgerutscht, und ihre Aufmachung ist sehr unvorteilhaft, aber das lässt sich doch alles ändern!

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Dafür gibt es die Schwiegermutter, die kümmert sich in Zukunft fürsorglich und wohlwollend um alles!

Ich sage meinem Mädchen, dass sie sich keine Sorgen zu machen brauchen. Ich bin ja praktisch bereits auf dem Weg zum Friseur mit den Herren, sie werden stauen, wie gut die beiden nachher aussehen, wenn erstmal Mister Miguels Zottelmähne entwirrt ist und Mister Lamenius‘ Haare gekürzt und in einem anständigen Farbton coloriert sind! Außerdem werde ich mich selbstverständlich darum kümmern, dass sie ihr Lotterleben in Phenix aufgeben und eine anständige Arbeit aufnehmen, mit der sie auch eine Familie ernähren können. Da sagt Lily im Hintergrund doch glatt, ich könne die zwei doch als neuen Gärtner und neue Zofe bei mir einstellen, wenn ich so heiß auf sie bin, immerhin bräuchte ich doch Ersatz für das weggelaufene Personal! Ich versuche, mir Mister Miguel als Gärtner und Mister Lamenius als Zofe vorzustellen – oder doch besser umgekehrt? – aber das Ganze überfordert mich.

Und meine Mädchen sind kaum zu beruhigen. Miyu erklärt mir allen Ernstes, wegen einer gemeinsam verbrachten Nacht und ein paar schönen Stunden müsste heute kein Mensch mehr heiraten. Und dann wirft sie mir noch vor, meine Einstellung sei altmodisch! Und ich sei von gestern!

Und auf einmal… fühle ich mich alt. Uralt.

Es ist, als ob der Himmel mir gerade auf den Kopf fällt. Vor meinem inneren Auge zerplatzen tausend schöne Hochzeitsbilder… es wären so schöne Fotos geworden… meine Mädchen in weißen Kleidern und mit duftenden Blumengebinden, und die beiden jungen Herren in Smokings und Fliegen, und ich daneben als stolze Schwiegermutter! Ein rauschendes Hochzeitsfest mit 1000 geladenen Gästen, als Abschluss eine geradezu königliche Ballnacht! Aber es hat nicht sollen sein. Aus der Traum!

Sie wollen nicht. Es ist definitiv.

Ich höre nicht mehr, ob Mister Lamenius oder Mister Miguel noch irgendetwas zu mir gesagt haben. Still nehme ich meinen Regenschirm, meine Mary-Poppins-Handtasche und meinen Fächer und schleiche leise mit hängenden Schultern aus dem Laden, ohne mich noch einmal umzudrehen.

Mir ist zum Weinen zumute. Aber ich beherrsche mich. Eine echte Dame flennt nicht in der Öffentlichkeit unkontrolliert los. Egal was auch passiert, es ist immer die Contenance zu wahren. Außerdem macht Weinen Falten. Und ich bin nicht umsonst fünfmal, viermal,… kein einziges Mal geliftet, sondern benutze eine sündhaft teure Creme mit Hyaluronsäure und achte auf meine Gesundheit. Auch eine alternde Grande Dame ist und bleibt eine Grande Dame! Es ist eine Frage der Ehre ebenso wie eine Frage der inneren Einstellung.

Draußen vor dem Laden treffe ich um die Ecke wieder auf Mister Raphael und Mister Severus, die auf mich gewartet haben. Ich sinke in die Arme von Mister Severus, der mich ritterlich auffängt und stützt, und resümiere düster: „Meine Mädchen wollen die zwei nicht heiraten. Die Welt ist schlecht und ungerecht. Das war’s.“

Nun sind sogar Mister Raphael und Mister Severus verblüfft. Fast sehe ich so etwas wie Mitleid in ihren Augen aufblitzen. Ich atme tief durch, dann richte ich mich auf. „Meine Herren, es gibt Situationen im Leben einer Dame, da hilft nur noch harter Alkohol. Mögen Sie auch einen?“ Und damit ziehe ich meinen Flachmann unten aus der Tasche, wobei ich sehr aufpasse, dass nicht aus Versehen die Brille mit herausrutscht.

Mich hält es jetzt nichts mehr, und langsam mischt sich Wut in die Trauer. Diese bösen undankbaren Mädchen! Womit habe ich das nur verdient? Ich habe es doch nur gut gemeint! Und ich hätte es geschafft, wenn sie mir nicht auf der Zielgeraden in den Rücken gefallen wären, ich weiß es!

Ich kippe den ersten Schnaps. „Da bin ich extra nach Phenix gereist, und dann das. Meine jungen Damen wolllen nicht. Was ist nur aus dieser Welt und aus dieser Gesellschaft geworden. Keinen Anstand mehr, verrohte Sitten. Sic transit gloria mundi!“ Den zweiten kippe ich gleich hinterher, denn anders ist dieses Jammertal nicht mehr auszuhalten.

„Meine Herren, ich habe einen wunderbaren Vorschlag. Wir besaufen uns nun gemeinschaftlich – und dann ziehen wir durch die Straßen von Phenix – unter Absingen schmutziger Lieder!“ Der dritte Schnaps rinnt feurig meine Kehle hinunter, und es geht mir zunehmend besser.

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Mister Severus und Mister Raphael machen Gesichter, als hätte ihnen noch nie im Leben jemand so einen Vorschlag gemacht. Sie reißen die Augen auf und gucken drein, als sei das, was ich vorgeschlagen habe, geradezu ein Sakrileg in einer Stadt, wo der eine oder andere offenbar einen Stock im A*** spazieren trägt und zum Lachen in den Keller geht. Das ist mir aber grenzenlos egal jetzt. Ehe die zwei sich wehren können, habe ich sie untergehakt, und los geht es.

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Unter lautem Singen tanzen wir die Straße hinunter bis vor das Dragon’s Cave. Langsam kommen meine beiden Begleiter in Stimmung , laut lachend rufen sie nach Freunden und Bekannten und laden weitere Phenixe Phenixbewohner ein, sich unserem Tanz anzuschließen. In zackigem, schwindelnden, munteren Sirtaki-Schritt, unter Gesinge und Gelächter geht es im Kreis und in einer langen Kette quer durch Phenix. Immer mehr Anwohner schließen sich uns an. Das nette Mädchen aus der Bar ist dabei und der Weihnachtsmann mit dem Rauschebart.

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Die Nacht ist jung und das Leben schön. Ha! Soweit kommt es noch, dass ich mir die Laune vermiesen lasse wegen zweier zickiger Teenager-Damen, einem Emo und einem Hippie! Dummes Jungvolk alle miteinander!

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Viel, viel später in der Nacht bringen mich Mister Severus und Mister Raphael zurück in mein Hotel.

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Sie haben sich mir nicht unsittlich genähert, und ich glaube, sie tun es auch nicht mehr. Ich habe die beiden wirklich liebgewonnen in den letzten Tagen – es sind anständige Herren mit Wahrhaftigkeit  im Herzen. Der Abschied fällt uns allen schwer.

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Mister Raphael küsst mir ehrerbietig die Hand, und ich verspreche ihm als Dankeschön einen großen Nusskuchen, den meine Miyu ihm backen wird – schließlich schulde ich ihm ja noch einen Gefallen dafür, dass er mir die zwei Schwerenöter auf dem Silbertablett serviert hat, das habe ich nicht vergessen!

Dann entschwinde ich ins Hotel und falle sofort restlos besäuselt ins Bett.

In meinem nächtlichen Traum vermischt sich alles. Ich schwimme in einem riesigen Topf voller Hyaluronsäure – nackt! (Hilfe, ist das etwa ein unzüchtiger Traum?)
Um mich herum geistern ein holländischer Wohnwagen, eine brennende Hand und das Mädchen mit den Augen des Mondes. Dann stehe ich (zum Glück wieder vollständig bekleidet und im Besitz meines unersetzlichen Regenschirms) vor dem Dragon’s Cave in Phenix, der Stadt, in der nichts ist, wie es wirklich scheint. Am Ende der Straße wartet der geniale Mister Raphael auf mich und winkt mir zu – seine rotstrahlenden Augen ersetzen dabei die gesamte Straßenbeleuchtung – er hat für mich massenweise junge Männer eingefangen und in der Bibliothek eingesperrt, und ich darf mir nun die Hübschesten aussuchen und mitnehmen für meine Mädchen. Und er war mit ihnen sogar schon beim Friseur!

Dann tanzt Mister Lamenius vorbei in einem rosafarbenen Zofenkostüm, seine Haare blinken und changieren wild von lila auf rot und wieder zurück (er war leider noch nicht beim Friseur, wie man unschwer erkennen kann).  Dazu spielt Mister Miguel tschickend und headbangend auf der Klampfe und singt Lieder vom Weltfrieden, während ihm seine langen ungewaschenen Strähnen ins Gesicht hängen (der war eindeutig auch noch nicht beim Friseur). Es regnet Smilies, Blümchen und Osterhasen, und die Brücke von San Franzisko verbindet plötzlich Phenix mit dem Rest der Welt. Ganze Ketten von Menschen und seltsamen, mir nicht bekannten Kreaturen – manche haben Flügel, manche strahlen, manche haben ein Fell –  tanzen Arm in Arm Sirtaki die Brücke entlang. Flankiert werden sie von Jugendlichen, die alles mit ihren Smartphones filmen und „Hammageila Fläschmopp ey, stell gleichma onlain!“ brüllen. Und mittendrin steht der Weihnachtsmann, macht den Sonnengruß und ruft mit dröhnender Stimme „Ooooommmm!“, dass die Stahlhalterungen beben und zu singen anfangen.

Im Erwachen noch straffe ich die Schultern und richte mich auf. O tempora, o mores! Es wird Zeit, dass ich nach Hause fahre. Und es wird Zeit, damit aufzuhören, Trübsinn zu blasen! Die Schwiegermutter reist jetzt ab. Meine Mädchen brauchen Erziehung (dringend!), damit ihnen die Flausen ausgetrieben werden und sie es in Zukunft zu schätzen wissen, wenn man ihnen gute Ehemänner besorgt. Sie waren jetzt einfach noch ein wenig zu unreif, um es zu erkennen, das war alles. Das gleiche gilt für Mister Miguel und Mister Lamenius. Man sieht ja schon an ihrem Auftreten, dass das noch sehr junge Männer sind, die erst noch „werden“ müssen.
Wahrscheinlich war ich mit meinen Plänen einfach zu früh dran. Aber wer hindert mich daran, der Sache jetzt etwas Zeit zu geben und meine Mission einfach im nächsten Jahr zu wiederholen? Niemand! Ich werde Kontakt mit dem netten Mister Raphael halten und mein Vorhaben, meine beiden Schwiegersöhne „heim zu Muttern“ zu holen, nur aufschieben, aber nicht aufgeben. Und was das Übrige betrifft: Lief halt diesmal nicht bei mir, beziehungsweise wie die Jugend von heute sagt, „Fuck ey Alter, SL hat mich nimmer reingelassen.“

Denn ganz ehrlich: Das Leben ist kurz! Welchen Sinn hat es also, über Vergangenes zu weinen? Lasst uns lieber das Leben feiern, so lange es geht – tanzend auf den Straßen von Phenix.

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Besonderer Dank geht an:

  • Mister Raphael für Intelligenz, Spielwitz und einen genialen Schachzug
  • Mister Severus für Offenheit und Humor
  • Kaly für eine ganz besondere Schwingung
  • Tian für das Erlebnis, einmal in meinem Leben einen sirtaki-tanzenden Lykaner gesehen zu haben
  • alle jetzt nicht namentlich genannten Spieler, deren Weg ich kurz gestreift habe, die aber mit viel Spaß an der Freude das Ganze mittrugen
  • die Owner Mig und Lame dafür, dass sie meine Idee zugelassen haben

Nymphvale-College – da werden Sie erzogen!

BDSM Erziehung Schule 2

Nach der missglückten Klassenfahrt begann diese Woche wieder der reguläre Unterricht im College.

Meine sieben Mädchen und ein Junge fanden sich pünktlich ein, um etwas über Spanking und Auspeitschungen zu lernen. Getreu den neuen Vorgaben des Kultusministeriums hatte ich eine Stunde mit viel Praxisinhalt und wenig Theorie geplant.

Es traf sich gut, dass wir eine neue Schülerin im College begrüßen konnten: Sarah, frisch aus Ravenhorst zu uns nach Nymphvale an die Schule gewechselt. Letzte Woche hatte mich ein Brandbrief meiner lieben Freundin Aurelia erreicht, die als Lehrerin im Institut von Ravenhorst wirkt. Sie hatten dort wohl ein ganz besonderes Früchtchen von Schülerin, ein freches, spätpubertäres Ding, das sich trotzig den Lehrern gegenüber verhielt, nur Streiche im Kopf hatte, und der sie nicht mehr Herr wurden. Da Aurelia um die besondere Ausrichtung unseres Colleges wusste, das viel Wert auf strenge klassische Erziehung mit den entsprechenden Methoden legt, bat sie mich um Hilfe. Gerne habe ich Sarah bei uns aufgenommen – sie wird sich hoffentlich bald einfügen lernen.

Devote Schülerin

Gestern konnte sie jedenfalls einen ersten Eindruck von den Lehrmethoden unserer Schule gewinnen, und es war ihr anzumerken, dass sie unter Schock stand. Ganz so hatte sie es sich wohl nicht vorgestellt. Andererseits muss man sagen – wer das Chemielabor in seiner alten Schule in die Luft sprengt und der dortigen Direktorin Waschpulver statt Zucker in den Kaffee rührt, der hat Strafe und eine sehr konsequente Erziehung in unserer  Schule eindeutig verdient!

Wir begannen zunächst mit einem kleinen Plakat, zu dem die Schülerinnen Assoziationen finden sollten.

BDSM Erziehung Schule 1

Lillith stach diesmal besonders heraus, das Mädchen macht sich zur Zeit unheimlich. Lily fürchtete prompt um ihren Platz als Klassenerste und nahm den Kampf auf. Mir kann es nur recht sein – eine gewisse Konkurrenz unter den Schülern wird ihren Lerneifer anspornen und sie positiv beflügeln! Gewisse kleine Nickligkeiten und Gemeinheiten untereinander gehören da nun einmal dazu, das ist die „Schule des Lebens“ und hat noch niemanden umgebracht.

Für die erste klassische Praxisdemonstration griff ich mir gleich mal Sarah heraus, die meinte, sich hinten in der letzten Reihe verstecken zu können. Es war mir aber wichtig, die Neue gleich entsprechend einzuführen. Das Mädchen braucht eine harte Hand, und das sinnvollste ist es, sie das gleich von Anfang an fühlen zu lassen.

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Sarahs Willkommen 4

Nachdem ich mich erst mit der flachen Hand, dann mit dem Paddle an ihr ausgetobt hatte und ihr die Regeln, wie es an unserer Schule lief, verdeutlicht hatte, schickte ich das nun heulende Geschöpf zurück zu seinem Platz. Freilich hatte Alina Mitleid mit ihr, zog sie zu sich in die Bank und tröstete sie flüsternd. Was ich aber nicht mitbekam, war, dass Lily ihr heimlich ein Kissen unterschob! Also so etwas!

Nun zeigte sich aber, dass Lillith ein wirklich intelligentes Mädchen ist. Vorbildlich meldete sie sich und verpetzte Lily sofort bei mir. Wundervoll! Ich lobte sie gebührend. Sicherlich, bei den anderen Schülerinnen hat sie sich damit keineswegs beliebt gemacht, die werden sich gegen sie verschwören und vielleicht auch etwas gegen sie aushecken. Aber mir gefällt diese kleine bösartige Seite an Lillith ausgezeichnet, denn mir kann sie nur nützlich sein. Sollte sie sich weiter so positiv entwickeln, könnte ich mir durchaus denken, sie zur Aufseherin über den Mädchenschlafsaal oder zur Präfektin zu ernennen, die mir eventuelle Unregelmäßigkeiten sofort meldet. Vielleicht habe ich ja auch über sie die Chance, endlich herauszufinden, wer der unerlaubte heimliche Klassensprecher ist? – Ich verdächtige ja immer noch Wolfi, aber ich brauche eine Bestätigung, ehe ich mir den Jungen vorknöpfe, sonst könnte das Unruhe im Stiftungsrat des Colleges geben, der meine Erziehungsmethoden zwar intern voll und ganz unterstützt, offiziell nach außen aber natürlich die Maske einer normalen, regulären Schule wahren muss.

Jedenfalls war Lillith eine perfekte fiese Petze, die von mir prompt mit einer Eins belohnt wurde.

Allerdings hat sie in Lily eine würdige Gegenspielerin, deren IQ schwer zu toppen ist und die immer weiß, wie man sich aus schwierigen Situationen elegant herauswindet. Ehe irgendjemand etwas sagen konnte, war sie schon nach vorne gekommen, fiel mir zu Füßen und bat um Verzeihung. Sie sah dabei so entzückend und graziös aus, dass ich ihr kaum noch böse sein konnte – sie ist ja nicht umsonst meine Lieblingsschülerin, mit der ich immer hochzufrieden bin und die ich auch oft ein klein wenig vor den anderen herausstelle und bevorzuge. Irgendwer weiter hinten im Klassenzimmer zischte dann auch prompt „Schleimerin“, aber so genau war nicht auszumachen, wer das war. Und  natürlich verstehe ich, dass Lilys herausgehobene Stellung Neid bei manch anderer Schülerin  hervorruft.

Nichtsdestotrotz musste Strafe sein, und da Lilys Busenfreundin Miyu gerade ebenso eifrig wie unerlaubt Briefchen schrieb – heckte sie da etwa schon was gegen Lillith aus? – griff ich mir Miyu gleich zusammen mit Lily und zeigte der Klasse, dass Spanking auch im Doppelpack funktioniert.

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Double Spanking 2

Danach schmerzte mir dann doch etwas die Hand und eigentlich wäre es auch an der Zeit gewesen, die Stunde zu beenden, aber als ich die Schüler noch einmal reflektieren ließ, was sie in dieser Stunde gelernt hatten, wurde doch tatsächlich Wolfi frech. Ich hatte ihn an diesem Tag eigentlich schonen wollen, da mir Miyu vorher heimlich gesteckt hatte, dass Wolfi vom letzten Mal noch einen schmerzenden Hosenboden hatte und er selbst auch darüber jammerte. Nun aber meldete er sich nonchalant und erklärte, er hätte in dieser Unterrichtsstunde gelernt, dass alles am Spanking „voll für den Arsch“ sei!

Unglaublich! Natürlich ist die Antwort irgendwo korrekt, aber ich konnte mich des sicheren Gefühls nicht erwehren, dass der Junge da zusätzlich eine eindeutige Frechheit  mit eingebaut hatte – wie auch immer er das geschafft hatte. Also überzog ich zehn Minuten und griff zur Peitsche. Während ich vor der Klasse dozierte, dass man, wenn das einfache Spanking nichts mehr nutzt, gnadenlos die Peitsche verwenden sollte, demonstrierte ich Wolfi am praktischen Beispiel, dass es durchaus auch andere Körperteile als den Hintern gibt, die man erziehungsmäßig bearbeiten kann.

BDSM Erziehung Schule 3

BDSM Erziehung Schule 4

Lily verrenkte sich den Hals und wollte gucken, welches Körperteil genau ich da mittendrin in der Mangel hatte, das Wolfi so zum Schreien und Winseln veranlasste, aber ich schob mich dazwischen und erklärte ihr, dass der Anblick nichts für anständige wohlerzogene junge Damen sei.

Ich vermute, sie werden Wolfi hinterher eh heimlich verarzten, wenn ich nicht mehr dabei bin, aber ich bin mir zugleich sicher, dass die schlaue Lillith weiß, wann es wieder Zeit zum petzen ist. 🙂

Und den Wolfi bekomme ich schon wieder in die Reihe, ihm ist vermutlich zu Kopf gestiegen, dass die Dienstagsstunde bei Mister Greene etwas aus dem Ruder lief. Statt einer Feminisierung, wie vom Lehrer angeordnet, saß Wolfi am Schluss als Caesar auf einem Thron, und die Schülerinnen knieten als römische Sklavinnen vor ihm und fächelten ihm Luft zu und fütterten ihn mit Weintrauben. Ein starkes Stück, der arme Mister Greene! Man konnte es den Schülerinnen zwar nicht nachweisen, aber ich verdächtige sie massiv, dass sie die Anweisungen ihres Lehrers absichtlich missverstanden haben. Diese jungen Dinger sind intelligent genug, sich dumm zu stellen –das beherrschen sie aus dem FF!

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Ich konnte die Unterrichtsstunde mit einer kleinen Verspätung beenden, und die Klasse traf sich noch auf ein kurzes Schwätzchen im Bistro, ehe es in die Schlafsäle ging.

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Sarah ließ dann hintenrum noch ein paar Sprüche los, dass es in der Schule doch auch um soziales Lernen gehe, was sie hier eher weniger sieht, wenn so ein unkameradschaftliches Verhalten wie das von Lillith belohnt wird. Na, die traut sich etwas! Erstens hat sie die Situation völlig falsch aufgefasst – Lillith hat in dem Sinne nicht gepetzt, sondern hohes Verantwortungsbewusstsein gezeigt, indem sie mir eine Information gegeben hat, die wichtig war, um die Disziplin in der Klasse wieder herzustellen. Zweitens stehen einer Schülerin in meiner Schule eh keine eigene Meinung und kein Urteil über meine Entscheidungen zu. Das  kann sie woanders haben, aber nicht bei mir.

Zu guter Letzt kam dann noch heraus, dass Sarah ohne aktives Relay am Unterricht teilgenommen hat. In MEINEM Unterricht! Das ist mir in meiner ganzen Zeit in dieser Klasse noch nicht passiert. Dieses Mädchen schreit förmlich nach Erziehung. Ich muss baldmöglichst mit dem Einzelunterricht beginnen, den ich ihr bereits in Aussicht gestellt habe. Es wird ein langer, harter Weg für sie werden, bis sie das Niveau der Klasse erreicht. Von dem vorbildlichen Benehmen und den Leistungen einer Lily oder einer Lillith ist sie jedenfalls noch meilenweit entfernt.

Nichtsdestotrotz nehme ich diese Herausforderung natürlich an, die junge Dame ist mir von einer lieben Freundin anvertraut worden, der ich diesen Gefallen gerne tun werde. 🙂

Durch’s wilde Phenixstan

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(Gänzlich frei nach Karl May :-))

Laut schimpfend befreie ich mich von einer Dornenranke, richte den Hutschleier neu und stapfe weiter den Berg hinauf. Das Umland von Phenix ist die reinste Zumutung! Natürlich trage ich auch das falsche Schuhwerk, aber meine Füße sind wie die von Barbie: Immer bereit für den hohen Schuh. Das hier wird sicherlich das gefühlt hundertste Paar High Heels werden, das ich mir im Gelände ruiniere. Zum Glück sieht mich niemand, wie ich den Bergpfad entlang stöckele und schwanke.

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Oben muss ich erst einmal stehenbleiben und Luft holen. Wie peinlich, ich schnaufe wie ein Walross, das ist ganz und gar nicht ladylike! Daran ist nur das verfluchte Korsett schuld. Aber was will man machen. In meinem fortgeschrittenen, reifen, minimal höheren, 29+-Alter haben sich merkwürdige Röllchen an den Seiten gebildet, deren Herkunft ich mir nicht so recht erklären kann. Sicherlich, meine Miyu backt köstlichen Kuchen, wenngleich sie manchmal ungewöhnliche Zutaten verwendet, aber soooo viel habe ich davon doch nicht gegessen? Außerdem mache ich regelmäßig Sport, ich peitsche mindestens einmal die Woche meine Mädchen aus und den Wolfi gleich zweimal mehr.

Ich zerre an den Bändern des Korsetts, das ich mir unter großen Verrenkungen am Morgen selbst schnüren musste, und ärgere mich erneut darüber, zur Zeit keine Zofe zu haben. Die letzte ist leider mit dem Gärtner durchgebrannt, und Ersatz hat sich noch keiner gefunden, es ist so schwierig, gutes Personal zu bekommen! Ach, und erst der Gärtner! Mister Andrej Kruschow war ein Genie auf seinem Gebiet gewesen, er war praktisch unersetzlich. Dutzende widerlicher „Greetings, Miss“-Typen und „Ficken?!“-Heinis hat er mir diskret vom Hals geschafft, sie durch den Gartenhäcksler gejagt und hübsch zerkleinert als Dünger für die Tulpenbeete verwendet. Ich vermisse ihn schon jetzt unendlich. Aber zunächst muss meine Mission hier erledigt sein, ehe ich mich um die Akquirierung neuen Personals kümmern kann.

Plötzlich raschelt es hinter mir im Gebüsch, und ich drehe mich schnell um, kann aber nichts erkennen. Irgendwie fühle ich mich beobachtet. Als ob jemand hinter mir herschleicht. The hills have eyes, oder was? – Ich bin entschlossen, mich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen, und ich habe einen Regenschirm, meine Handtasche und einen Fächer bei mir! Ha! Ich kann jedem Gangster nur raten, sich von mir fernzuhalten!

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Und falls es hier Monster geben sollte, denen sei gesagt, das Schlimmste aller Monster ist immer noch das Schwiegermonster. Nicht umsonst ist die einzige Person, vor der der Teufel Angst hat, seine Großmutter, und die einzige Person, vor der ein Chefdämon zittert, ist seine Schwiegermutter. Nur so als Beispiel jetzt, nicht, dass ich wirklich denke, dass es hier Dämonen geben könnte. Was da hinter mir herschleicht, werden im Zweifelsfall ein paar Jugendliche sein, die alles mit ihren dämlichen Smartphones filmen und meinen, es dann ins Internet stellen zu müssen. Manchmal schreiben sie dann noch fett „PRANK“ obendrüber, was immer das heißen mag. Mir erschließt sich der Sinn daran nicht wirklich, aber ich bin ja auch keine 16 mehr, wo man den größten Quatsch für unendlich witzig gehalten hat.

Ich komme auf einer Ebene an und kann nun endlich ein wenig ins Umland hinunterblicken.

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In der Ferne meine ich, etwas zu erkennen. Ich schaue mich schnell um – sieht mich jemand? – dann ziehe ich flink und verstohlen die Brille aus der Tasche und gucke genauer hin. Leider ist es höllisch dunstig rund um Phenix und auch mit Brille ist nur wenig zu erkennen. Ist das ein Wohnwagen? Könnte sein… aber er ist mit bunten Flecken bemalt? Was soll das denn? Sind das Ostereier? Smilies? Oder gar – Blümchen???

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Oh mein Gott. Dieser Mister Miguel… er wird doch nicht etwa schwul, ein Veganer, noch schlimmer… ein… HIPPIE sein? Ich müsste mich dringend setzen, aber es ist kein Bänkchen in der Nähe, also bleibe ich schwankend stehen und schnappe nach Luft. Oh mein Gott! Am Ende ist das einer von diesen ungewaschenen, langhaarigen Kerlen, die Joints rauchen und auf der Klampfe spielen und dabei Lieder von freier Liebe und dem Weltfrieden singen! Womöglich sind seine besten Freunde Bäume, und er kettet sich in seiner Freizeit an Castor-Transporte an! Nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen das Anketten hätte, aber der junge Mann soll doch genügend Zeit für seine junge Ehefrau und seine Familie haben!

Mir bleibt aber auch nichts erspart. Ich habe ja schon das Problem, dass Mister Lamenius, das ist der mit den langen bunten Haaren, höchstwahrscheinlich ein Emo ist. Ich habe das genauestens recherchiert: Ein Emo ist ein Punker, der die ganze Zeit heult und dabei grenzenlos gefühlvoll und romantisch ist. Also so etwas ähnliches wie ein Goreaner. Die schneiden mit dem Messer ein Muster ins Fleisch der ungehorsamen Sklavin und fangen dann an zu heulen, weil sie eine Blume sehen, über die sie gleich ein umwerfend poetisches Gedicht verfassen müssen.

Wenn jetzt Mister Miguel auch noch ein Hippie ist, fange ich fast an, am Sinn meiner Mission zu zweifeln. Ein Hippie und ein Emo – kann ich das meinen Mädchen wirklich zumuten? Und kann man zwei solche Kerle ernsthaft umerziehen? Die brauchen doch alle beide erstmal eine vernünftige Arbeit und einen strukturierten Tagesablauf. Derzeit scheinen sie sich ja eher die Nächte um die Ohren zu hauen mit lauter sinnlosem Unfug.

Mir wird fast schlecht vor Sorge, und hinter mir raschelt es schon wieder im Gebüsch. Hastig setze ich die Brille ab und verstecke sie weit unten in meiner Tasche. Was auch immer dort lauert, es darf mich keinesfalls mit Brille sehen! So viel Würde muss eine Dame in den besten Jahren sich schon noch bewahren dürfen!

Ich wende mich von meinem Aussichtsplatz ab und suche nach dem Weg, aber das Gelände bis zu dem Kasten, den ich für Mister Miguels Wohnwagen halte, ist völlig zugewuchert. Wahrscheinlich muss ich noch einmal um die ganze Stadt herumlaufen, zur Hölle! Und warum um alles in der Welt fühle ich mich hier in Phenix ständig zum Fluchen verführt? – Wahrscheinlich, weil es so eine unselige Situation ist, in die diese beiden Halbstarken meine Mädchen gebracht haben. Und weil es wie verhext ist, dass sie immer noch alle miteinander an den Burschen hängen und heimlich für sie schwärmen. Sogar Lillith hat es erwischt, sie wäre fast bei dieser schrecklichen Pyjama-Party dabei gewesen, und statt dass sie sich freut, dass der Kelch an ihr vorüberging, bedauert sie es! Sie jammert immer noch herum, dass sie nur kurz aus dem Raum ging und anschließend nicht mehr reinkam. Ich verdächtige ein wenig die anderen, dass sie Lillith absichtlich ausgesperrt haben, selbst wenn sie mir alle miteinander etwas vormachen wollen. Angeblich hätte „SL sie nimmer reingelassen“, was auch immer das heißen soll. Das ist bestimmt wieder so ein mysteriöser Ausdruck aus der Jugendsprache, der bedeutet, dass etwas nicht im Sinne des Sprechers geschehen ist. Also als Synonym für: „Ey Alter, läuft grad nicht bei mir, voll fuck Scheiße!“ sagt man dann: „Ey Alter, Fuck, SL hat mich nimmer reingelassen, voll Scheiße!“. Mit ein bisschen Nachdenken kann man sich das durchaus zusammenreimen, auch wenn die Jugendlichen immer glauben, wir Älteren verstehen ihre Sprache nicht, und sie könnten sich darin ungestraft unverfroren auslassen!

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Leise vor mich hinknurrend suche ich mir einen Weg den Berg hinunter und breche mir fast den Hals dabei. Verdammt! Jetzt sind auch noch die Strümpfe zerrissen! Es ist einfach unfassbar, welchen Situationen ich hier ausgesetzt bin. Was tut man nicht alles für seine Mädchen! Und ich kann letztlich nur hoffen, dass der Sonntag mein Glückstag wird. Nach so viel Pech – ruinierte Absätze, zerrissene Strümpfe, von Jugendlichen mit Smartphones verfolgt und wahrscheinlich auch noch gefilmt bei all diesen Peinlichkeiten – muss ich auch einfach mal wieder Glück haben. Wer weiß, vielleicht liefert mir ja jemand die beiden noch aus. Sie werden in dieser Stadt nicht nur Freunde haben!

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Und wenn sie erst mal die Kette um den Hals, äh, den Ring am Finger haben, wird alles gut, daran glaube ich fest!

Auf in den Kampf, die Schwiegermutter naht!

Siegesgewiss klappert ihr Gebiss…

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 – Gastspiel in Phenix –

Nachdem die jungen Herren Miguel und Lamenius als Geiseln entführt worden waren, kehrte endlich wieder die gewohnte Ruhe im College ein! Ich genoss es sehr, dass endlich das wilde Geflirte um mich herum wegfiel und hoffte, dass die Schülerinnen sich nun wieder auf den Unterricht konzentrieren konnten.

Aber weit gefehlt! Meine Mädchen vermissten diese ungezogenen frechen Halbstarken schrecklich! Da zudem noch Bilder von der heimlichen Pyjama-Party auftauchten, bestätigte sich mein furchtbarer Verdacht, dass hier mehr geschehen war, als jemals hätte geschehen dürfen.

Diese schändlichen Kerle hatten meine unschuldigen liebreizenden jungen Damen verführt und einfach sitzengelassen! Unter meinem Dach! In meinem Haus! Das konnte ich keineswegs auf sich beruhen lassen. Es gibt gewisse Verpflichtungen, an die ein Mensch sich zu halten hat, und dies war nicht der Weg der Ordnung! Es galt, die jungen Herren wieder auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Um die Ehre meiner Mädchen wieder herzustellen, musste die Ehe arrangiert werden. Mister Miguel bestimmte ich für Miss Lily, die nackt auf seinem Schoß gesessen hatte, und Mister Lamenius, der heftige Küsse mit Miss Miyu getauscht hatte, würde gefälligst sie zur Frau nehmen.

Ich packte meine Mary-Poppins-Tasche und meinen Regenschirm, setzte meinen Hut auf und machte mich auf den Weg nach Phenix. Immerhin war ich inzwischen so etwas wie die Schwiegermutter der beiden jungen Herren! Ich hatte sehr wohl das Recht, mich da einzumischen!

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(Hat da jemand ’spaßbefreite vertrocknete alte Jungfer‘ gesagt? Nein, ich muss mich wohl verhört haben…)

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Ich mietete mich im Motel in Phenix ein und machte mich auf die Suche. In der Stadt trieben sich viele gefährliche und zwielichtige Gestalten herum, aber wenn man eine so wichtige Mission hat, darf man keine Angst haben. Tapfer ging ich auf jeden Einzelnen zu, stellte mich als Schwiegermutter der beiden Herren Lamenius und Miguel vor, und bat um Hilfe. Und siehe da, viele tauten dann nach anfänglichem Misstrauen doch auf und gaben mir Informationen! Ich glaube, so schlimm wie ihr Ruf sind die Einwohner von Phenix gar nicht. Einer war sehr groß gewachsen und breit gebaut und wurde von den anderen als „Höllenhund“ bezeichnet – ohne Brille konnte ich leider nicht so genau sehen, woher dieser Spitzname kommt – aber er war einer der Hilfsbereitesten dort und kann mir bestimmt noch sagen, wo ich die beiden Halbstarken finde. Er hat mich auch gleich zu sich in den Keller eingeladen, aber sehe ich etwa so aus, als ob ich mit mir unbekannten Männern mitgehe? Am Ende dachte der noch, er kann mich einfach so abschleppen? *tz* – Ganz bestimmt nicht!

Wohlgemerkt, bin ich in meinem zarten, nur leicht fortgeschrittenen Alter immer noch Jungfrau und stolz darauf. So weit kommt es noch, dass ich mich irgendeinem Mann hingebe!

Leider war ich aber am ersten Abend nicht erfolgreich. Alle Anwesenden, die ich schließlich im Dragon’s Cave traf, zierten sich sehr, mir die Adresse der jungen Kerle zu geben. Eine schrecklich eifersüchtige junge Dame bedachte mich die ganze Zeit mit giftigen Blicken, so dass mir der Schweiß ausbrach und ich sicherheitshalber meinen Katzenregenschirm fester packte.

Einer der Männer in dem Club smste mit Mister Lamenius, dieser traute sich aber nicht, mir unter die Augen zu treten, und ließ sich mit schwachen Ausreden entschuldigen.

Pah! Sie werden mir nicht entkommen, die zwei! Sie werden für die Konsequenzen ihres verachtungswürdigen Handelns einstehen! Es ist wirklich ein Elend mit der Jugend von heute, keinen Respekt mehr vor dem Alter, kein Verantwortungsbewusstsein mehr, nur noch Chillen und Tschicken und Chicken, äh, Chicks, oder wie das heißt.

Da der Abend keine neuen Erkenntnisse mehr brachte, ging ich zurück in mein Motel. Die nächsten Tage werde ich einmal außerhalb der Stadt suchen. Mister Miguel soll in einem Wohnwagen hausen, irgendwo muss der ja stehen.

Den beiden freundlichen Gästen im Dragon’s Cave, die mir gestern abend halfen, hinterließ ich eine Nachricht an der Bar. Mal sehen, ob sie nicht auch noch irgendetwas für mich herausfinden können oder weitere Bewohner der Stadt mir helfen werden.

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***An der Bar vom Dragon’s Cave hinterlegte Nachricht an die Herren Raphael und Severus***

Sehr geehrte Herren,

herzlichen Dank für Ihre Hilfe und Ihren Zuspruch gestern abend, auch wenn Sie mir die Adresse der von mir gesuchten jungen Männer nicht geben konnten.

Ich werde weiterhin schauen, dass ich jemanden finde, der mich wahlweise zu den beiden bringt oder mir die zwei tugendlosen Casanovas ausliefert, damit ich sie in den sicheren Hafen der Ehe mit meinen armen unschuldig entehrten Mädchen geleiten kann.

Einstweilen werde ich die Stadt und das Umland nach ihnen absuchen. Vielleicht könnten Sie in der Zwischenzeit auch ein wenig herumfragen, ob jemand weiß, wo sie sich aufhalten? – Sie können mir dazu gerne eine Nachricht in meinem Motel hinterlassen, wo ich Quartier gefunden habe, Miss Jenny an der Rezeption macht einen sehr patenten Eindruck und wird mir die Nachricht sicherlich weiterleiten.

Ansonsten werde ich Sonntagabend noch einmal in dieser – *hüstel* Nachtbar *hüstel* – vorbeischauen, wo wir uns gestern getroffen haben, in der Hoffnung auf Neuigkeiten und Erfolg.

Bitte helfen Sie mir, denken Sie immer daran, es geht um zwei junge, liebreizende Damen, die treugläubig und naiv auf die beiden Schwerenöter hereingefallen sind und ihren süßen Worten vertrauten!

Mit freundlichen Grüßen
Lady Aranea
– zur Zeit wohnhaft in Jennys Motel in Phenix –

Nachdem ich die Nachricht verfasst und abgegeben hatte, zog ich meinen Mantel über, packte meinen Regenschirm mit festen Griff und machte mich auf den Weg in die umliegende Gegend.

Niemand entkommt der Schwiegermutter!

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((Sonntagabend geht es weiter… da folgt der zweite und zugleich letzte Teil meines kleinen Gastspiels :-)))

Mörderjagd II – Epilog

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Nachdem Wachtmeister Dimpfelmoser seinen Monolog beendet hatte, brach prompt die heimliche Standleitung, die mir mein Freund bei der Polizei gelegt hatte, zusammen.

Wir saßen alle herzlich verdattert in der Wohnhalle vor dem Bildschirm und wagten es kaum, uns gegenseitig in die Augen zu schauen.

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Dieser Dimpfelmoser! Erst wirkt er so harmlos und unfähig, und dann findet das blinde Huhn doch noch ein Korn! Andererseits – was wollte man uns schon nachweisen?

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Mitten in die Verblüffung hinein wurde Andrej aktiv. Er kann mit einer Dragunow und einem Messer ebenso geschickt umgehen wie mit einem Gartenhächsler, und für ihn kam es darauf an, den Landsitz zügig und unbeschadet zu verlassen, ohne von der Polizei aufgehalten zu werden.

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Ehe irgendjemand reagieren konnte, hatte er bereits Miguel und Lamenius als Geiseln genommen und schleifte sie nach draußen. Mir tat insbesondere dieser Miguel kein bisschen leid dabei – etwas Erziehung würde ihm gut tun, und letztlich konnte man nicht leugnen, dass Mister Putin keineswegs zufrieden mit der Arbeit seiner Nachwuchsagenten war – immerhin lag das belastende Material jetzt bei der CIA. Andrej Kruschow würde also nachbessern müssen. Kein Wunder, dass er wütend auf seine beiden Mitarbeiter war!

Da ich recht hatte mit meiner Vermutung, dass es zwischen Andrej und Raven knisterte, werde ich nun wohl neues Personal brauchen.

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Aber das ist meine geringste Sorge. Immerhin hat mir Lamenius ja schon jemand Neues vorbeigeschickt. Lediglich Andrejs Talent, derartige Probleme schnell und unkompliziert zu lösen, wird mir ungemein fehlen.

Die noch hastig in die Wege geleitete Suche der Polizei nach dem Busfahrer am Folgetag verlief übrigens ergebnislos. Trotz aller Bemühungen der Beamten blieb unklar, wann nach dem Unfall er spurlos verschwand und wer er überhaupt war. Die Büroräume des Busunternehmens, bei dem die Reise der Collegeklasse gebucht worden war, wurden verlassen und leergeräumt vorgefunden. Sowohl von dem Unternehmen als auch von seinem angeblichen Angestellten fehlt jede Spur – es schien ihn auch niemand zu vermissen. Kommissar Grünerwald und Wachtmeister Dimpfelmoser dachten noch kurz darüber nach, die Tulpenbeete auf meinem Landsitz ausheben zu lassen. In Anbetracht der unschönen diplomatischen Verwicklungen sowie der vielen unbezahlten Überstunden kamen sie jedoch wieder davon ab. Außerdem lag eine große Unwägbarkeit darin, wie der ehemalige Gärtner reagieren würde, wenn man seine Beete und Pflanzen zerstören würde. Und hatte er nicht auch irgendwo recht? – Schließlich  blühten die Tulpen ja wirklich außergewöhnlich prächtig.

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Besonderer Dank geht an:

  • Miyu und Lily für den Bau der tollen Busfahrtstrecke
  • Allen Mitspielern für ihren Einsatz an Zeit, „good vibrations“ und Kooperation
  • Den beteiligten SIMs/ SIM-Ownern für Rezz- und Landrechte und das damit verbundene Vertrauen:

 

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Mörderjagd II – die Auflösung

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((Passende musikalische Untermalung: Hit the road, Jack))

Kommissar Grünerwald hat alle im Polizeirevier zusammengetrommelt. Wachtmeister Dimpfelmoser sitzt hochgespannt am Konferenztisch. Neben ihm hat sich Wachtmeister Schießdaneben mit dem Notebook häuslich eingerichtet, den man wieder zum Protokollschreiben verdonnert hat, weil er so herrlich schweigsam ist und kaum mal ein Wort sagt. Harry wurde vom Kommissar auf den Flur verbannt, da er zu laut mit den Autoschlüsseln geklappert hat und alle fünf Minuten fragt, wann er endlich den Wagen vorfahren darf.

Kommissar Grünerwald räuspert sich und beginnt: „Also, Männer, der Fall ‚Mord an Mister Neunzahnkommafünf‘ war anfangs ja hochverwickelt, wurde aber letztlich dennoch von uns gelöst! Ich habe Sie heute alle zusammengerufen, um Ihnen meine Ergebnisse aus Ihren Recherchen zu präsentieren und mit Ihnen gemeinsam vielleicht noch die eine oder andere Ungereimtheit klarzustellen, ehe das Ganze an den Polizeipräsidenten geht.

Halten wir fest: Mister Neunzehnkommafünf kam gewaltsam zu Tode, aber nach Faktenlage kann ich fast nicht mehr von einem Mord ausgehen. Gründe, ihn umzubringen, hätte es viele gegeben, aber alle, die ein starkes Motiv hatten, sind deutlich weniger belastet als diejenigen, die nur ein schwaches Motiv haben. Interessanterweise hatte jedoch letztlich fast jeder auf dem Landsitz ein Motiv! Aber gehen wir strukturiert vor.

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Mister Micha Neunzehnkommafünf war ein Agent der CIA, ehe er parallel begann, als Kopfgeldjäger zu arbeiten und in diesem Zusammenhang auch manche Information an die Gegenseite, die SWR, weiterzuleiten. Im Jahr 2015 bekam er einen Privatauftrag von einem Scheich namens Ibn bin Laden Abu Simpel, der sich restlos in Miss Alina, die das Nymphvale-College besucht, verguckt hatte.

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Er zahlte den angeblichen Eltern der jungen Dame 5 Mio. Dollar und engagierte Mister Neunzehnkommafünf, das Mädchen zu entführen. Mister Neunzehnkommafünf gelang es, sich als Sklave ins College einzuschmuggeln – er stellte es recht geschickt an, indem er sich auf einer Sklavenauktion, auf der Lady Aranea für ihre Mädchen einkaufte, versteigern ließ und prompt von ihr erworben wurde. Sein Plan, bei einer günstigen Gelegenheit im College Miss Alina zu entführen, schlug jedoch fehl, da er nie alleine mit ihr war. Im Gegenteil verlangten die Mädchen von ihm, in großer Runde zu ihrer aller Vergnügen an der Stange zu tanzen und dergleichen mehr. Micha Neunzehnkommafünf erkannte die Chancenlosigkeit seiner Bemühungen und brach sein falsches Spiel als Sklave zunächst einmal ab und verließ das College unverrichteter Dinge.

An dieser Stelle hätte bereits Lady Aranea ein Motiv gehabt, da sie auf den Anschaffungskosten für den Sklaven sitzen blieb und ohnehin der festen inneren Überzeugung ist, dass entfleuchte Sklaven den Tod verdienen.

Es gab aber noch weitere Fraktionen, die hinter Mister Neunzehnkommafünf her waren. Zum einen sein ehemaliger Arbeitgeber, der CIA, und zum anderen die Gegenseite, die SWR. Mister Neunzehnkommafünf war im Rahmen seiner Kopfgeldjägertätigkeit an belastendes Material über Mister Putin gekommen, und dieses wollte der SWR unbedingt sicherstellen. Die CIA wollte den ehemaligen Geheimnisträger eliminieren und hegte zudem den begründeten Verdacht, dass Agent 195 peinliches Material über Mister Trump besaß. Man wollte verhindern, dass der Ex-Agent zum Whistleblower wurde.“

Wachtmeister Schießdaneben (unterbricht seinen Chef kurz): „Das ist die Sache mit den rosa Negligés, richtig? Soll ich das notieren oder besser nicht?“

Kommissar Grünerwald (denkt nach): „Nun, im Moment sind die Unterlagen unter Verschluss bei der CIA, richtig? Die Herren von der  SWR haben es ja verpennt und waren nicht rechtzeitig bei dem Zug in der Wüste, so dass Agent Smith ihnen zuvorkam und die Akten und Fotos an sich nehmen konnte. Darum denke ich, dass wir das unter den Tisch fallen lassen können. Unsere eigene Regierung ist sicherlich nicht betroffen.“

Wachtmeister Schießdaneben: „Was macht Sie da so sicher, Chef?“

Kommissar Grünerwald (hustet und räuspert sich): „Gesunder Menschenverstand, Schießdaneben. Oder können Sie sich Angela Merkel in einem rosa Negligé mit Strümpfen und Strapsen vorstellen?“

– Angestrengtes Schweigen im Raum und krampfhaft auf die Tischplatte starrende Polizisten –

Kommissar Grünerwald (nach einer kleinen Pause): „Eben, Schießdaneben. Und darum sage ich, unsere eigene Regierung ist nicht betroffen. Die russische und die amerikanische Regierung hingegen waren es, darum wurden beide Geheimdienste aktiv.

Von seiten der CIA machte sich Agent Smith auf den Weg, der sich Zutritt zu dem Kreis um Lady Aranea verschaffte, indem er Sklave ihrer Freundin wurde. Von seiten der SWR wurden die Agenten Lamenius und Miguel als angebliche Austauschschüler ins College eingeschleust, während ihr Vorgesetzter, Mister Andrej Kruschow, bei der Lehrerin als Gärtner anheuerte.

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Irgendwann im März 2017 muss dann Miss Miyu an die Information gekommen sein, dass Miss Alina in akuter Gefahr schwebt, nach Arabien verschleppt zu werden. Und Miss Miyu reagierte, wie sie schon im letzten Fall in Bezug auf Miss Lily reagiert hat: Sie versuchte mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen, ihre Freundin zu beschützen. Sie kam auf die Idee, dem Scheich einen vergifteten Kuchen zu senden. Sie wollte ihn  damit keinesfalls umbringen, sondern wollte nur erreichen, dass ihm sterbschlecht wurde und er dann von Alina ablassen würde. Sie ging dabei von der Faktenlage aus, dass Liebe durch den Magen geht, der Scheich als absoluter Genussmensch gilt, und für die meisten Männer eine Frau nur gut aussehen und kochen können muss, um als perfekte Beziehungspartnerin zu gelten. ‚Komm nackt und bring Essen mit‘ – Sie wissen schon, meine Herren! Miss Miyu drehte das um: Wenn der Scheich der Überzeugung war, dass Miss Alina eine miserable Köchin war, die einen Fraß fabriziert, von dem ihm täglich schlecht werden würde, würde er von seinem Plan ablassen, sie heiraten zu wollen.

Also vertraute sich Miss Miyu zunächst der Erzieherin an, Miss Ivy, wurde vielleicht auch von ihr inflagranti in der Küche erwischt, und buk dann den Kuchen mit Strychnin-Füllung.

Miyu staunt was Hermine wieder entdeckt hat

Sie verwendete dafür zwar eine ganze Flasche, aber umgebracht hätte diese Dosis den Scheich keinesfalls und auch den Micha Neunzehnkommafünf nicht. Als Miss Miyu allerdings kurz zur Toilette ging und den Teig gehen ließ, wurde Miss Ivy aktiv. Sie hatte in der Zeitung gelesen, dass der Scheich nicht nur milliardenschwer, sondern auch kiloschwer sei. Und als intelligente Dame wusste sie, dass man Gifte nach Körpermasse dosieren muss, um ein optimales Ergebnis zu erreichen. Miss Ivy befürchtete, die Dosis sei zu gering, um dem Scheich echte Bauchschmerzen zu verschaffen, und kippte darum heimlich noch eine komplette Packung Rattengift, wovon es im College mehr als ausreichend gibt, in Miss Miyus Kuchen. Der Hauptbestandteil von Rattengift ist Strychnin – das passte also. Und die Schülerin wollte sie nicht mehr als nötig da mit hineinziehen. Da Miss Miyu aber schneller wieder von der Toilette zurückkam, als Miss Ivy gedacht hatte, blieb ihr keine Zeit mehr, die leere Packung verschwinden zu lassen, sie stopfte sie darum nur schnell in ihre Tasche und vergaß sie zunächst.

Ivy

Die Dosis Strychnin, die der Kuchen jetzt enthielt, war beachtlich, hätte den Scheich aber dennoch keinesfalls getötet, sondern nur zu schwerer Übelkeit geführt. Bei Mister Neunzehnkommafünf sah die Sache anders aus – er ist ein schmächtiges dürres Kerlchen mit unterentwickelten Organen, wie man ja auch an seinem Penis sehen konnte – für ihn war die Dosis tödlich.

Aber bleiben wir beim chronologischen Zusammenhang – denn es war nicht geplant, dass nicht der Scheich, sondern letztlich der 19,5 den Kuchen essen würde! Das konnten Miss Miyu und Miss Ivy nicht wissen!

Der Scheich hatte inzwischen sehr ungehalten auf Mister Neuzehnkommafünfs missglückte Versuche, Miss Alina zu entführen, reagiert. Er bestellte ihn wutentbrannt zu einem Treffen im Arcade-Express ein.

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Miss Miyu sandte kurz vor diesem Zusammentreffen den Kuchen in einer Geschenkpackung an den Scheich und ließ es durch die Absenderadresse so aussehen, als käme der Kuchen von Miss Alina. Der Scheich wurde völlig wild auf Miss Alina und feierte das Geschenk seiner eingebildeten Liebsten mit sechs Mädchen, die ihr alle ähnlich sehen mussten, in einem Bordell namens Dragon’s Cave in Phenix. Den Kuchen aß er allerdings nicht – denn Miss Miyu hatte ihn dummerweise mit Nüssen gebacken, um den bitteren Geschmack des Strychnins zu übertünchen. Der Scheich aber reagiert hoch allergisch auf Nüsse. Als er voller Vorfreude sein Geschenk auspacken wollte, bekam er bereits von dem Geruch der Nüsse einen Allergieanfall und musste sofort ein Antihistaminicum nehmen. Das war die leere Tablettendose, die wir gefunden haben.

Den Kuchen wollte er als Schätzer leckerer Köstlichkeiten aber dennoch nicht verkommen lassen, er bot ihn ganz naheliegend seinem Gast, Mister Neunzehnkommafünf an. Dieser wird wohl den bitteren Geschmack erkannt haben, er hat sich aber in der ohnehin angespannten Atmosphäre wahrscheinlich nicht getraut, die Gastfreundschaft und Freigiebigkeit des Scheichs zu beleidigen, und so aß er alles auf.

Der Zug befand sich noch ein ganzes Stück von der Stelle entfernt, wo sich hinterher die Ereignisse überschlagen sollten, da kam es oben in den Bergen zu dem Busunfall, der die Schüler auf den Landsitz von Lady Aranea führte.

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Geplant gewesen war ursprünglich ein Aufenthalt in der Jugendherberge in Blackburn, wo die beiden jungen Agenten vermutlich vorhatten, in den Zug zu steigen, um den Auftrag ihres Vorgesetzten zu erledigen. Das fiel nun flach, und Mister Kruschow wird nicht schlecht gestaunt haben, als plötzlich seine beiden Mitarbeiter vor ihm standen. Sie überspielten die Situation aber alle drei professionell und ließen sich nichts anmerken. Der Plan wurde ebenso schnell wie diskret geändert: Mister Miguel und Mister Lamenius warteten einfach nachts ab, bis alle schliefen, dann gingen sie schnell die halbe Stunde nach Blackburn zu Fuß, stiegen dort in den Zug, erledigten ihren Auftrag, stiegen in Weatherby wieder aus und waren innerhalb von insgesamt zwei Stunden wieder zurück – und keiner hat etwas gemerkt!

Mig Lame

Nun, worin aber genau bestand der Auftrag? Hier kann ich nur spekulieren, denn der Zettel mit dem russischen Befehl war verschlüsselt. Ich vermute, dass Mister Lamenius und Mister Miguel Mister Neunzehnkommafünf entweder im Zug töten und hinauswerfen sollten, oder ihn nur hinauswerfen. Sie haben jetzt beide zu Protokoll gegeben, sie hätten nichts dergleichen getan, Mister Neunzehnkommafünf sei in Panik von selbst aus dem Zug gesprungen, als er ihrer angesichtig wurde und er sie als feindliche Agenten erkannt hat.

Das kann durchaus stimmen so, zumindest können wir den beiden nichts anderes nachweisen. Komisch ist es aber schon, dass der Sprung genau an der richtigen Stelle war… direkt da, wo oberhalb von Lady Araneas Grundstück die beiden Tunnel sich fast treffen und die Bahnlinie nur kurz aus dem Berg tritt.

Unten wartete versteckt im Gebüsch der angebliche Gärtner, um im Fall dessen, dass die beiden oben im Zug versagen sollten, unten das Problem endgültig zu „erledigen“. Er hatte zwar das Mädchen Raven bei sich im Keller gehabt, aber diese auszuschalten, war ein leichtes für ihn. Erinnern Sie sich an das Tagebuch des Mädchens, in dem sie schreibt, dass sie Filmrisse hat beim Zusammensein mit ihm, dass sie oft wegtritt und sich dann an nichts mehr erinnern kann? – Der Gärtner hat sie ruhiggestellt und betäubt, mit Bromisoval. Darum waren auf der Bromisoval-Flasche auch seine Fingerabdrücke. Im Gegensatz zu den anderen Giften, die wir auf dem Landsitz gefunden haben, ist Bromisoval eher schwach und nicht zum Töten geeignet. Man nutzt es in der Hypnose und als Schlafmittel. Die Beschreibung des Mädchens passt perfekt zu der Wirkung vom Bromisoval. Der Gärtner konnte Raven damit elegant ausschalten und hätte durch sie trotzdem immer ein Alibi gehabt, denn sie hätte Stein und Bein geschworen, die komplette Nacht mit ihm verbracht zu haben, denn ihre Filmrisse sah sie ja lediglich als kurzen Moment sehr hoher Ekstase an und bemerkte gar nicht die stundenlange Sedation.

Der Gärtner hat zudem vorher geschickt die Sicherheitskameras manipuliert und zur Wand gedreht, damit er ungesehen das Haus betreten und verlassen konnte, wann immer er es brauchte. Eine Leiter befand sich bei ihm im Keller, und oben auf der Leiter hatte er zudem den Tresorschlüssel versteckt, den er im Ferienhaus Lady Araneas heimlich an sich gebracht hatte, um bei einer günstigen Gelegenheit den Zettel mit den Leaks über seine Agenten verschwinden zu lassen. Der Mann ist durchtrieben und handelt eiskalt und skrupellos.

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Zurück zu unserem Mordopfer. Der unglückliche 19,5 verlor bei seinem Sturz seine Fahrkarten und kollerte die Böschung hinunter, wo er auf Lady Aranea traf, die ihm den Regenschirm ins Gemächt rammte, wodurch ihn eine gnädige Ohnmacht umfing, die ihm weiteres Miterleben des Kommenden ersparte.

Der Gärtner muss im Gebüsch verharrt und gewartet haben, bis die Lady und Miss Aurelia sowie Agent Smith gegangen waren, dann trat er heraus und zerquetschte mit seiner mechanischen Hand den Kehlkopf von Mister Neunzehnkommafünf, um auf Nummer sicher zu gehen. Es wäre nicht mehr nötig gewesen und ist auch kein Mord mehr, sondern allenfalls eine Leichenschändung, da Mister Neunzehnkommafünf bereits seiner Strychnin-Vergiftung erlegen war. Aber wir wissen ja – Mister Kruschow macht keine halben Sachen, und er ist der Mann für’s Grobe ebenso wie für’s Feine.

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Während dieser ganzen Zeit flogen große Vögel, äh, Dämonen, äh Vampire ums Haus – streichen Sie das nachher aus dem Protokoll, Schießdaneben – bei denen es sich um die durch den Vollmond verwandelten Schülerinnen Miss Lily und Miss Lillith handeln muss. Miss Miyu versuchte verzweifelt, die beiden zur Rückkehr ins Haus zu bewegen, weil sie fürchtete, dass das Geheimnis der Freundinnen entdeckt werden könnte. Dabei futterte sie in ihrer Nervosität ein Bounty nach dem anderen. Irgendwann hatte sie mit ihren Bitten Erfolg… allerdings hatten die beiden dunklen Wesen wohl ein wenig an der Leiche des 19,5 gekostet oder gespielt und waren zu beschwipst, um das Fenstersims richtig zu erwischen. Die Fehllandung führte schließlich zur Auslösung der Alarmanlage und zu dem dann folgenden Chaos und Herumgerenne im Haus.

– Streichen Sie den kompletten Absatz, Schießdaneben, schreiben Sie ins Protokoll, der Alarm wurde zufällig ausgelöst, als vermutlich eine Krähe oder ein anderer großer Vogel gegen das Fenster flog, kurz war da ja eine Art Flügel im Bild, das können wir also belegen. Wir bleiben lieber noch bei dem Gärtner, der ist greifbarer. –

Wie ich auf die Schliche kam, dass Mister Kruschow derjenige war, der bis zu diesem Zeitpunkt  die Oberhand über die Operation behielt, ist schnell erklärt: Er war der einzige, der sich weigerte, nach dem Leichenfund zur Gruppe zu stoßen, obwohl alle in wilder Panik schrien und sogar explizit nach ihm gerufen wurde – er bestand darauf, dass er jetzt zu Bett gehen wollte, und ging trotz der Aufregung hinter dem Haus nicht mehr nach draußen, um sich die Ursache des Geschreis anzusehen. Können Sie sich das vorstellen, Männer? – Das ist ein unlogisches und hoch verdächtiges Verhalten, denn wenn draußen eine ganze Gruppe Menschen brüllt, sie hätte gerade eine Leiche gefunden, wird keiner einfach zu Bett gehen, selbst wenn er das im Augenblick vor dem Leichenfund gerade noch vorhatte. So verhält sich nur jemand, der ganz genau weiß, was die Gruppe draußen gefunden hat, und den diese Szenerie keineswegs überrascht.

Als die Leiche entdeckt wurde, war vor allem Miss Ivy hellentsetzt, denn nun fiel ihr die Rattengiftpackung wieder ein, die sie immer noch in ihrer Tasche trug. Selbst wenn zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststand, wer das Opfer war und wie es zu Tode kam – die leere Großpackung Rattengift in ihrem Besitz würde Fragen aufwerfen und den Fokus auf Miss Ivy richten. Ihr war klar, dass die Polizei den Landsitz und alle Anwesenden durchsuchen würde. Also griff sie hinterher im Haus als erstes  schnell nach dem nächsten Stoffstück, das sie zur Hand hatte – ihr Dessous – und wischte damit hastig die Fingerabdrücke an der Packung ab.

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Sie muss dabei durch die anderen Gäste gestört worden sein, denn es reichte ihr nicht mehr, die Schachtel in ein sicheres Versteck zu bringen und das Dessous wieder an sich zu nehmen, sondern sie warf hastig beides hinter ein Blumenbeet im Wintergarten.

Mister Smith hingegen folgte dem Zug, konnte ihn in der Wüste filzen und das belastende Material aus Mister Neunzehnkommafünfs Gepäck an sich nehmen.

*es klopft an der Türe*

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Eine atemberaubend schöne Frau tritt mit laszivem Hüftschwung zur Türe herein: „Bist du endlich fertig, mein kleines Schnuffel-Hasi? Wir wollten doch heute früh nach Hause.“ *lächelt vielsagend*

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Wachtmeister Schießdaneben wird ein wenig rosa: „Gleich, Schatz! Warte bitte noch draußen!“

*Die Türe geht wieder zu*

Wachtmeister Dimpfelmoser verhindert mit Mühe ein spontanes anzügliches Pfeifen durch die Zähne.

Kommissar Grünerwald muss seine Krawatte lockern und schnappt nach Luft. Er wischt sich die Schweißperlen von der Stirne und ringt um Worte.

Kommissar Grünerwald (ächzend): „Verdammt, Schießdaneben! Ich brauche unbedingt eine Schürze!“

Wachtmeister Dimpfelmoser verschluckt sich und prustet in seinen Kaffee.

Wachtmeister Schießdaneben (irritiert): „Wie bitte, Chef?“

Kommissar Grünerwald (schiebt hastig ein paar Akten auf dem Tisch hin und her): „Oh, nichts, nichts, Schießdaneben! Wo waren wir stehengeblieben? – Ahja, den Mordabend hatten wir durch, und Agent Smith hat jetzt vermutlich das ganze belastende Material an sich genommen, darum konnten wir in dem Zug im Gepäck von Mister Neunzehnkommafünf nicht mehr finden.

Soweit also der Ablauf…

Nun gibt es für mich aber ein paar Ungereimtheiten.

Für mich ist ungeklärt, wie Miss Miyu an das Strychnin kam. Es gibt nur eine Person, die es besorgen konnte, das ist die Alchimistin Miss Aurelia, die auch Lady Aranea mit Giften versorgt. Allerdings kannten Miss Miyu und Miss Aurelia sich vorher noch gar nicht. Woher also konnte Miss Miyu das Gift beziehen?

Woher wusste Miss Miyu überhaupt, dass ihre Freundin Alina in Gefahr war, entführt zu werden?

Und zum weiteren irritiert mich der Nusskuchen. In der Zeitung, die wir im Keller des Colllege gefunden haben und die Miss Ivy so gründlich studiert hat, stand eindeutig drin, dass der Scheich unter eine Nussallergie leidet. Warum hat Miss Ivy dann nicht verhindert, dass Miss Miyu ausgerechnet Nüsse als Hauptzutat verwendet? Es war doch klar, dass der Scheich den Kuchen nicht essen wird, wenn es ein Nusskuchen ist…“

*grübelt*

Dimpfelmoser schüchtern: „Chef…“

„Ja, Dimpfelmoser?“

„Chef, ich habe da eine Theorie… aber Sie dürfen nicht lachen!“

„Na, dann lassen Sie mal hören, Dimpfelmoser!“

„Also… ich denke gerade… was, wenn der Fall ähnlich liegt wie beim letzten Mal? Wenn wir wieder nur zu sehen bekommen, was wir sehen sollen? Denn jetzt ist es ja kein Mord mehr, sondern eine Verkettung unglücklicher Umstände, für die wir niemanden verhaften können.  Niemand ist wirklich schuld, bzw. sind sie es alle zusammen, aber jeder hat nur ein winziges Quentchen beigetragen. Miss Miyu hat zwar den Kuchen gebacken, aber ihre Strychnin-Dosis war lächerlich gering, die hätte dem Scheich nicht mal Bauchschmerzen verursacht, ist also nur eine versuchte Körperverletzung, die noch nicht mal Erfolg hatte, weil der Scheich den Kuchen gar nicht gegessen hat. Miss Ivy hat zwar die Dosis erhöht, wollte aber angeblich ebensowenig jemanden umbringen, und den Scheich hätte sie definitiv auch nicht umgebracht… wohl aber den 19,5. Und da war es dann doch sehr praktisch, dass der Kuchen ein Nusskuchen war, denn so war die Wahrscheinlichkeit höher, dass er beim richtigen Empfänger im Magen landet!“

Im Revier ist es mucksmäuschenstill.

Grünerwald räuspert sich: „Reden Sie weiter, Dimpfelmoser!

„Wissen Sie, Chef, Ihre Anmerkung hat mich draufgebracht. Diejenigen, die ein starkes Motiv hatten, Mister Neunzehnkommafünf zu eliminieren, und dazu zähle ich jetzt mal die diversen Agenten diverser Geheimdienste, haben erstaunlicherweise alle Alibis bzw. keinerlei Beteiligung aufzuweisen. Die Absicht ja, aber keine Beteiligung. Und umgekehrt, alle, die ein eher schwaches Motiv hatten, die College-Girls und ihre Lehrerin und die Erzieherin und die Freundin, die sind seltsamerweise alle beteiligt, aber nur mit Kleinigkeiten, die im Einzelfall nicht schwerwiegend genug sind, in der Gesamtheit aber den Tod von Mister Neunzehnkommafünf verursacht haben. Die College-Clique hatte eine ganz andere Zielperson im Blick, den Scheich nämlich, und diesen wollte sie keinesfalls umbringen, sondern eher eine Art Streich spielen, damit er von Miss Alina ablässt.

Die Agenten hingegen hatten allesamt eine Eliminierung nicht des Scheichs, wohl aber des späteren Opfers 19,5 vor, schaffen es aber äußerst elegant, mit nahezu weißer Weste aus der ganzen Sache herauszukommen. Was können wir denn den einzelnen Personen nachweisen? – So gut wie nichts!

Gehen wir aber doch mal von dem Fall aus, beide Seiten – die Agenten und das College – hätten erfolgreich miteinander kooperiert… dann ergibt plötzlich alles einen Sinn.“

Die Verdaechtigen-last2

Dimpfelmoser muss etwas trinken und fährt fort:

„Sowohl der CIA als auch der SWR haben Mister Neunzehnkommafünf beschattet und wussten immer sehr genau, was er tut und wo er ist. Beide warteten auf eine günstige Gelegenheit. Und ja, ich traue den Agenten beider Seiten sogar zu, dass sie hier zusammengearbeitet haben. Erinnern Sie sich daran, als Mister Smith sagte, dass der SWR und der CIA eigentlich das Gleiche tun – beide schützen ihren Präsidenten? Hier hatten tatsächlich beide Seiten das gleiche Interesse. Und in so einem Fall steht man dann schon mal auf der gleichen Seite, selbst wenn man normalerweise verfeindet ist.

Außerdem, ist Ihnen aufgefallen, wie nonchalant Mister Smith die Frage vermieden hat, wer der von ihm erwähnte Vorgesetzte von Mister Lamenius und Mister Miguel ist? Und wie er ihn betitelt hat: ‚Mein Amtskollege von der Gegenseite‘! Holla die Waldfee! Also entweder ist jemand mein Amtskollege, oder er ist von der Gegenseite, aber das hier ist ein Widerspruch in sich – da stinkt die Zusammenarbeit über die sonstigen Schützengräben hinweg ja förmlich zum Himmel!

Miss Miyu wird derzeit dadurch entlastet, dass sie ja nicht wissen konnte, dass Mister Neunzehnkommafünf in diesem Zug fährt, und dass nicht er, sondern der Scheich ihr Ziel war. Die Geheimdienste wussten das aber – und über die Agenten Lamenius und Miguel, die sich als Austauschschüler im College aufhielten, konnte diese Information bequem an die Mädchen weitergegeben werden. Miss Ivy wird dadurch entlastet, dass sie nichts von der Nussallergie des Scheichs wusste, aber die Zeitung beweist das Gegenteil – und Miss Ivy ist eine ehemalige Dolcett-Zofe! Denen graust es vor gar nichts! Solche Leute kippen auch Rattengift in Kuchenteig, ohne mit der Wimper zu zucken! Gleichzeitig wird verrückterweise Miss Miyu dadurch entlastet, dass sie die Nussallergie und den ganzen Hintergrund nicht kannte. Wenn aber Miss Ivy oder die Agenten ihr diese Information gegeben haben, sieht die Sachlage ganz anders aus! Und damit Miss Miyu hinterher keinesfalls belangt werden kann, geht sie taktisch geschickt mal eben für ein paar Minuten auf die Toilette, währenddessen Miss Ivy den Kuchen und seine Wirkung mit Rattengift auf das richtige Maß bringt. So können sich beide Frauen elegant gegenseitig aus dem Schneider bringen. Denn keine war’s vollständig! Welche Rolle Miss Samira dabei gespielt hat, ist mir noch unklar – aber vielleicht hat sie einfach nur aufgepasst, dass kein Unbeteiligter zum falschen Zeitpunkt die Bistroküche betreten hat.

Miss Aurelia hat das Strychnin für Miss Miyus Kuchen besorgt, die Querverbindung stellt Lady Aranea her. Da es aber keinen direkten Kontakt gab, konnten beide, Miss Aurelia und Miss Miyu, hinterher voller Überzeugung sagen, dass sie sich vorher nicht kannten.

Der Tatort war bestens gewählt und kam allen Beteiligten entgegen.

Lady Aranea wusste garantiert über ihre Freundin und Mister Smith, wo sich Mister Neunzehnkommafünf aufhielt und dass ein Treffen im Zug stattfinden würde. Sie fungierte darum  als Gastgeberin des „Stützpunktes“, von wo aus das Finale der Operation angegangen wurde.

Miss Lily und Miss Lillith sind Schmiere gestanden, äh, geflogen. Haben Sie etwa nicht die vielen grauschwarzen Federn bemerkt, die Lady Aranea sowohl am Hut als auch am Fächer trägt? Der Teufel soll mich holen, wenn die nicht von Miss Lily stammen! Wer die Feder eines Dämons besitzt, kann ihn damit herbeirufen, ihn beschwören, Kontakt mit ihm aufnehmen. Durch die Federn war sozusagen die Kommunikation während der Operation sicher gestellt – besser als jedes Funkgerät, weil abhörsicher!

Oben fährt also der Zug durch, Lamenius und Miguel sorgen dafür, dass Mister Neunzehnkommafünf zum richtigen Zeitpunkt springt oder helfen gar noch ein bisschen nach. Unten sorgt die Lady mit ihrem Schirmschlag dafür, dass das Opfer das Bewusstsein verliert und geht dann sofort ins Haus – damit ist sie aus der Nummer raus und hat für die folgende Zeitspanne ein Alibi. Und ganz „zufällig“ warten die ganze Zeit zwei hochrangige Agenten, Mister Smith und Mister Kruschow, in unmittelbarer Nähe des Tatortes darauf, die Operation zu Ende zu bringen für den Fall, dass vorher etwas schiefgelaufen sein sollte (z.B. Micha Neunzehnkommafünf den Kuchen doch nicht ganz gegessen hat oder was auch immer).

Das ist nicht nur Nummer sicher, Chef, das ist Nummer super-sicher und mir ein bisschen zu viel Zufall. So bin ich draufgekommen.“

Kommissar Grünerwald räuspert sich.

„Wackere Leistung, Dimpfelmoser! Wackere Leistung! Aber dennoch, auch Ihre Version hat noch ein paar Ungereimtheiten, die ich nicht  aufgelöst kriege. Schauen Sie, wenn da eine Kooperation stattgefunden hat, dann hätten sich alle Beteiligten vorher sehr gut absprechen müssen, damit jeder genau weiß, was er zu tun hat. Wann und wo sollen all diese Leute einschließlich der Agenten zweier Geheimdienste das bitteschön gemacht haben – eine geheime, konspirative Absprache aller Beteiligten im Vorfeld?“

„Chef… das OOC-Treffen!“

Kommissar Grünerwald bekommt einen hochroten Kopf und muss seine Kragenknöpfe öffnen.

„Und wie wurde bitteschön das Auftauchen der College-Gruppe nachts auf dem Landsitz inszeniert?  – Hier scheitert Ihre Theorie, Dimpfelmoser! Denn der Unfall war ein Zufall. Um den Busunfall so zu inszenieren, dass der Bus genau an der richtigen Stelle bei Lady Araneas Landsitz von der Straße abkommt und so aufkommt, dass die Insassen kaum verletzt werden, hätte die Gruppe einen sehr begabten Handlanger gebraucht. Dieser aber wäre hinterher ein Mitwisser gewesen, den sie hätte beseitigen müssen!“

„Chef…“

„Und genau das bringt Ihre Theorie zum Zusammenbrechen!“

„Chef…“

„Ich sagte Ihnen doch: Ihre Theorie ist Müll, der zufällige Busunfall sprengt sie!“

„Chef! Chef, zwei Fragen.

Erstens… wo ist eigentlich der Busfahrer?

Zweitens… wir reden immer davon, dass der Butler höchstwahrscheinlich im Tulpenbeet verscharrt liegt. Ihnen ist aber sicherlich aufgefallen, dass es hinter dem Haus zwei Tulpenbeete gibt.

Wenn der Butler in dem einen liegt – wer liegt dann in dem anderen?“

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– ENDE –

Backe, backe Kuchen, der Mörder hat gerufen!

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Es endet da, wo alles begann. Wer hätte das gedacht!

Nach einer endlosen Suche der Polizei, in welche Küche der Giftkuchen gebacken wurde, wurden sie in der Collegeküche fündig. Der Kuchen, der offenbar Scheich Ibn bin Laden Übelkeit verursachen sollte, letztlich aber Micha Neunzehkommafünf, in gewissen Kreisen besser bekannt als Agent 195, getötet hat, wurde hier gebacken und dann versendet.

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In der Küche waren noch Spuren von Strychnin an den Backformen erkennbar. Auf der Treppe fand sich Miyus Schlüsselanhänger, auch kontaminiert mit Strychnin, und – oh Schreck – hinter ihrem Bett die leere Strychnin-Flasche. Was hat meine kleine Miyu damit zu tun? Sie ist doch sonst eigentlich immer recht brav, außer dass sie ständig im Unterricht Bountys in sich hineinstopft statt aufzupassen?

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Es stellte sich dann auch heraus, dass im College jede Menge Rattengift eingesetzt wird, was mich nicht wundert, so versifft, wie dort immer alles ist. Sogar in unserem Klassenzimmer rennt ja ständig eine Ratte herum, sogar während des Unterrichts!

Allerdings fand man auch heraus, dass eine Großpackung komplett fehlte, denn der Hausmeister hatte vier Packungen besorgt, es waren aber nur noch drei vorhanden im Haus, eine angebrochene und zwei volle. Wo ist die letzte Packung? Ist das etwa die, die leer bei mir im Wintergarten gefunden wurde?

Im Keller des College dann ein kleiner Schock, Miss Ivy und Miss Samira müssen sich hier intim vergnügt haben. Hoppla, das hätte ich der braven Nonne gar nicht zugetraut! Eigentlich hätte ich es mir denken können, warum sonst hätte sie ihre Freundin unbedingt auf Klassenfahrt mitnehmen wollen. Und der Freundin hat man gleich angesehen, dass das eine sehr freizügige Person ist, so sexy, wie sie immer gekleidet war… das wollte ja so gar nicht recht zu dem braven Habit unserer Schwester Ivy passen. Stille Wasser gründen tief, da merkt man es wieder!

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Was seltsam war, die Polizei hat auch eine alte Zeitung gefunden mit einem ausführlichen Artikel zu Scheich Ibn bin Laden und einem Foto von ihm. Der Kerl hat eine Figur wie Jabba the Hutt, auweh, wenn der sich auf meine kleine Alina draufgelegt hätte, der hätte sie plattgequetscht wie eine Flunder! Warum aber interessierte sich Schwester Ivy für den Scheich? Wie hängt denn das jetzt bitte zusammen?

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Fragen über Fragen… und noch kein Mörder erkennbar… aber übermorgen ist es so weit, da hat Kommissar Grünerwald schon alle einbestellt, weil er glaubt, die Lösung zu haben! Ich bin mindestens so gespannt wie mein Regenschirm!

Schirm